Das Blog zur Interessensbildung, Meinungsbildung Interessenvertretung von Verbänden

Schlagwort ‘NGO’

Lobbying: Über das Gemeinwohl und die Holschuld der Politik (3)

Freitag, 30. November 2012

Kleine Artikelserie in vier Teilen aus Anlass der aktuellen Publikation „Schluss mit Lobbyismus!“ der taz-Chefredakteurin Ines Pohl – Teil 3.

Die Publikation Schluss mit Lobbyismus! hält im Ergebnis keine neuen Impulse für eine Debatte zum Thema Demokratie und Lobbying parat. Sie weicht sogar der näheren Betrachtung spannender Aspekte aus, wie der Verantwortung der Politik oder einer Hinterfragung des „Gemeinwohls“.

Partikularinteressen versus Gemeinwohl?

Die Begründung der Herausgeberin für die „Auswüchse“ beim Lobbying überraschen nicht: Es gehe um die Partikularinteressen von Industrieverbänden, Industrieberatern und Großkonzernen zuungunsten des Gemeinwohls.

Wie bestimmt sich aber das Gemeinwohl? Gibt es ein Gemeinwohl per sé, das der Allgemeinheit, also irgendwie allen, nützt?

War die Abwrackprämie nun die Durchsetzung von Partikularinteresse der deutschen Autoindustrie oder diente sie dem Allgemeinwohl, weil alte Dreckschleudern gegen umweltgerechtere Fahrzeuge ausgetauscht wurden, die dazu noch von mittleren und unteren Einkommensschichten erworben werden konnten?

Hat die Chemieindustrie die Chemikalienrichtlinie REACH erfolgreich gegen das Allgemeinwohl verwässert oder bestand die Berücksichtigung des Gemeinwohls in einem Ausgleich der Interessen auch volkswirtschaftlicher Aspekte (Wettbewerb, Arbeitsplatzverluste) sowie der Berücksichtigung des Geldbeutels eines Großteils der Bevölkerung?

re:campaign: Erfolgreiches Lobbying nach wie vor nur Offline

Sonntag, 17. April 2011

Die re:campaign ist eine (die Veranstalter würden sagen: die) Konferenz für Online-Kampagnen mit der Kernzielgruppe NGOs. Am 16. und 17. April 2011 referierten unter anderem Sprecher von Amnesty, Campact, Caritas, Greenpeace, WWF über Thesen, Trends und Tipps in der Berliner Kalkscheune.

In 15 Workshops wurde der Bogen geschlagen von Best Practise-Beispielen über Chancen und Grenzen des Online-Aktivismus, Partizipation und Mobilisierung via Netz und Mobile, der erfolgreichen Skalierbarkeit, Social Media Monitoring und Wirkungsmessung bis hin zur Rolle von Online-Aktivitäten für das Lobbying.

Zentrale und für viele eingefleischte Onliner erschütternde Erkenntnis: Web 2.0-Aktionen haben keine Relevanz für ein erfolgreiches Lobbying.

Verkehrte Welt Teil II: EU-Parlamentarier initiieren Gründung einer Finanzlobby

Donnerstag, 27. Januar 2011

Mitte letzten Jahres erging ein erstaunlicher, fraktionsübergreifender Hilferuf von Mitgliedern des Europäischen Parlaments, die eine einseitige, Bankeninteressen geleitete Finanzlobby beklagten, der sie sich fachlich wie methodisch ausgeliefert sehen. Die Abgeordneten erkannten darin eine unmittelbare Gefahr für die Demokratie. Der Verbände-Talk berichtete.

Vor wenigen Tagen nun die Meldung, dass die Autoren des Hilferufs Initiatoren bei der Gründung einer internationalen Nichtregierungsorganisation zur kritischen Beobachtung der Finanzmärkte gewesen sind. Parlamentarier selbst fördern die Gründung von Lobbyorganisationen, ein überaus spektakulärer Vorgang.

Anstehende Konferenzen: re:publica XI und re:campaign

Montag, 10. Januar 2011

Zu Beginn des Jahres möchte ich insbesondere allen Kommunikations-Beauftragten und –Interessierten in Verbänden und NGOs zwei aufeinanderfolgende Konferenzen in Berlin ans Herz legen:

Vom 13. bis 15. April findet die re:publica XI in Berlin statt. Sie ist sicherlich die in Deutschland herausragende Konferenz über Blogs, soziale Medien und die digitale Gesellschaft. Hier ist ein Einblick in Themen, Programm und Speaker der letztjährigen re:publica möglich.

Gefolgt wird die Konferenz von der zweitägigen re:campaign 2011, die erstmals im vergangenen Jahr als Subkonferenz veranstaltet wurde. Sie versteht sich als NGO-Fachkonferenz für das Online-Campaigning. Auch hier eine Möglichkeit zur Einsicht in die Programmgestaltung von 2010.

Beide Konferenzen bieten etablierten ebenso wie sich orientierenden Nutzern der sozialen Medien in Verbänden und NGOs eine erstklassige Möglichkeit, sich über Best Cases, grundlegende Trends und Neuheiten aus unterschiedlicher Perspektive zu informieren und zu diskutieren.

 

„Sind Deutschlands Verbände bereit für die Kampagne?“

Freitag, 18. Juni 2010

…war die Leitfrage des Abends bei der gestrigen Diskussionsveranstaltung aus der Reihe „Aufmerksamkeitskrieger – Überleben in der Informationsflut“, die von der Mediadesign Hochschule, der Deutschen Public Relations Gesellschaft und dem Marketing Club Berlin gemeinsam durchgeführt wurde.

Im Laufe der Diskussion wurden Kriterien deutlich, wonach sich Machbarkeit und grundlegende Zielrichtung einer Kampagne bestimmen lassen. Im Zentrum stand die Frage, wofür sich Kampagnen aus Sicht von Verbänden grundsätzlich eignen.

Interessenvertretung 2.0

Sonntag, 25. April 2010

Obama bestimmte den Präsidentschaftswahlkampf im Internet, Wiener Studenten twitterten sich zu einer erfolgreichen Protestbewegung, Greenpeace zwingt Nestlé mit einer Videokampagne zu ansehnlichen Zugeständnissen und Campact zeigt regelmäßig, dass massenhafte und kostenlose Meinungsäußerung in nur wenigen Tagen wirkungsvoll in politische Entscheidungsprozesse eingespeist werden kann.

Es gibt eine ganze Reihe von Beispielen, die nahelegen, dass der gezielte Einsatz von Twitter, Facebook und Co auch für die Interessenvertretung von Verbänden neue Zielgruppen und Chancen garantiert. Ist das wirklich so?