Das Blog zur Interessensbildung, Meinungsbildung Interessenvertretung von Verbänden

Schlagwort ‘Lobbying’

Aktuelle Herausforderungen für Verbände

Montag, 10. März 2014

Junger Mann mit MegafonVerbände koordinieren und vertreten Interessen. Sie sind Informationsbroker und Berater sowie Dienstleister für ihre Mitglieder aus Branchen oder Berufsständen.

Hinter dieser schmucklosen Beschreibung der Kernaufgaben steckt ein erheblicher Kommunikationsaufwand. Mitglieder, Politik, Behörden, Organisationen, Wissenschaft, Medien und Öffentlichkeit sind gleichzeitig Adressaten wie Anspruchsteller der Informations-, Abstimmungs- und Vermittlungsbemühungen von Verbänden.

Ante Portas: Deutscher Verbändekongress

Mittwoch, 19. Februar 2014

DVK14Der Deutsche Verbändekongress muss nicht vorgestellt werden.

Das mittlerweile alle zwei Jahre terminierte zentrale Treffen hauptamtlich geführter Verbände und vergleichbarer Organisationen findet Anfang kommender Woche wiederum in Düsseldorf, direkt am Airport statt.

Die Deutsche Gesellschaft für Verbandsmanagement (DGVM) ist ideeller Träger des Kongresses. Das Programm ist vielseitig und spannend:

  • Lobbying, Kampagnenumsetzung, Verbandskommunikation
  • Führungskonzepte, Personalgewinnung, Karriere und Nachwuchsförderung
  • Veränderungen anstoßen, neue Richtungen denken
  • Mitgliederzufriedenheit, Markenentwicklung, Beitragsgestaltung
  • Preisverleihung „Verband des Jahres 2014“

Zwei Themen will ich herausheben, weil sie mir besonders am Beraterherzen liegen und ich sie auf dem Verbändekongress vorstellen kann:

  1. Qualitätsmanagement im Verband und DGVM ZERT 2.0: QM birgt ein nahezu völlig ungehobenes Potential für die Professionalität der gesamten Arbeit von Verbänden. Die Deutsche Gesellschaft für Verbandsmanagement hat ganz aktuell das Konzept eines eintägigen Verbands-Checks entwickelt, der Organisationen an einem Tag deutlich macht, wo sie aus Sicht von QM stehen und was noch auf dem Weg zu einer (zertifizierungsfähigen) Einführung eines QM zu tun ist.
  2. Innovationskultur aktiv gestalten: In Verbänden wächst das Selbstverständnis, vorausdenkende Organisation und Innovationstreiber für die Mitglieder zu sein. In einem World Café werden am zweiten Veranstaltungstag Erfahrungen und Hinweise zu Innovationshemmern und -promotoren, Erfolgen, Voraussetzungen und ersten Schritten zusammengetragen und für die Teilnehmer aufgearbeitet.

Neugierig auf das Programm? Noch schnell anmelden?

 

Lobbying kills

Dienstag, 15. Oktober 2013

Hans-Peter MARTINDas EU-Parlament hat über eine neue Tabak-Richtlinie abgestimmt. Wie auch immer die Bewertung darüber ausfällt, ob die Tabak-Lobby nun eher viel verhindert oder wenig erreicht hat: Das Ausmaß des systematischen Lobbyings der Tabak-Industrie hat Überraschung hevorgerufen.

Es wurde über extra eingestellte Lobbyisten, Druck auf Abgeordnete sowie über Listen berichtet, die eine Kategorisierung der MdEPs in Befürworter, Ablehnende und Unentschlossene zeigt.

Die Überraschung überrascht: Es geht schließlich um Milliarden-Umsätze, da liegt es doch völlig auf der Hand, dass zuvor alle Register der Interessenvertretung gezogen werden. Auch wenn dies mit Hunderttausenden zu buche schlägt.

Ich hätte mir als Nicht-Raucher eine größere Standfestigkeit mancher Abgeordneten gewünscht. Aber es bleibt mir nur der Hinweis, dass die Tabak-Lobby offensichtlich systematisches, professionelles Lobbying betrieben hat.

Die Tabak-Lobby ist aber eben auch eine böse Lobby. Wenn Befürworter einer strengeren Richtlinie den gleichen Aufwand, das gleiche Maß an Druck auf MdEPs mit dem gleichen Ressourceneinsatz hätten organisieren können, wäre ihnen der Applaus sicher gewesen.

Der unnabhängige EU-Abgeordnete Hans-Peter Martin aus Österreich hat seine Sicht der Dinge immerhin transparent zur Schau getragen: Lobbying kills! Zumindest das Tabak-Lobbying!

 

Warum deutsche Politiker Lobbyisten nicht mehr Lobbyisten nennen

Montag, 15. Juli 2013

Geld euro-76015_640Die langlebige Diskussion um Transparenz und ethische Standards im Lobbying hat seine Spuren hinterlassen: Lobbying hat in Deutschland mehr und mehr einen schlechten Ruf.

Die Vorstellungen reichen von Hinterbänklern, die bedenkenlos die einseitige Expertise gewiefter Lobbyisten nachplaudern, über abgedunkelte Hinterzimmer, in denen sich Politiker mit einem 5-Gänge-Menü und drei Flaschen Chateauneuf du Pape von einem Vertreter widerlicher Industrieinteressen einkaufen lassen, bis hin zur Crème de la Crème politischer Entscheidungsträger, die sich im Herbst ihrer Laufbahn durch Absprachen wider das Gemeinwohl lukrative Anschlussbeschäftigungen sichern.

Abgeordnete zwischen Interessen-Karaoke und Anschaffen gehen.

Die Politik tut herzlich wenig, das öffentliche Bild zu korrigieren. Allerdings beginnen deutsche Politiker offenbar, sich auf ihre Art von diesen Bildern zu distanzieren:

5 Fragen an Simon Raiser von planpolitik über tiefere Einblicke in politische Dynamiken und Aushandlungsprozesse

Mittwoch, 22. Mai 2013

Simn-Raiser-planpolitik-CIMG3457_kleinSimon Raiser ist einer der beiden Geschäftsführer der planpolitik GbR, die seit 2005 mit politischen Planspielen, Trainings, Workshops sowie durch die Erstellung von Lehrmaterialien politische Zusammenhänge vermittelt.

V//T: Planpolitik hat sich zur Aufgabe gemacht genauer zu klären, wie Politik funktioniert. Nun gibt es hierzu reichlich Literatur, Informationen im Netz sowie die tägliche Berichterstattung der Medien. Welchen Mehrwert bietet planpolitik für welche Zielgruppen?

SR: planpolitik hat sich auf den Einsatz von interaktiven Lernmethoden für sehr unterschiedliche Zielgruppen spezialisiert, d.h. wir möchten die Teilnehmenden unserer Angebote in erster Linie selbst erfahren lassen, wie man beispielsweise als Interessenvertretung Einfluss auf politische Entscheidungen nehmen kann. Dahinter steht die Überzeugung, dass die Teilnehmenden nachhaltiger lernen, wenn sie mit einbezogen werden. Und dazu macht es ihnen meistens auch noch Spaß.

Interaktive Methoden sind insofern eine ideale Ergänzung für die von Ihnen genannte Literatur oder auch für den klassischen Vortrag. Sie verstetigen durch das eigene Erfahren das Erlernte, führen zu einer reflektierten Sichtweise auf das gewählte Problemfeld und ermöglichen häufig Erkenntnisse für eine effektive Vorgehensweise in der „realen Welt“.

Diese Grundannahmen über den Mehrwert interaktiver Methoden sind unserer Erfahrung nach übrigens unabhängig von der Zielgruppe. Entsprechend haben wir Angebote für Schüler, Studierende und Berufstätige.

V//T: Politik hat etwas mit formal-juristischen Grundlagen wie Gesetzen, Verordnungen und auch Geschäftsordnungen zu tun. Dann geht es aber auch um konkurrierende Interessen, deren Vertreter innerhalb und außerhalb der Politik, um Ressourcen, Einfluss, Macht und die Rolle der Medien. Welche Rolle spielt die politische Interessenvertretung, das Lobbying in ihren Angeboten?

Lobbying und Compliance in Verbänden

Montag, 22. April 2013

Reichstag-Fotolia_5095159_MEine der geborenen Funktionen von Verbänden ist es, ihren Mitgliedern eine Plattform für Information und Austausch zu bieten.

Seit einigen Jahren ist diese Aufgabe in das Blickfeld der Kartellbehörden gelangt. Denn nahe lag in einigen nachgewiesenen Fällen, auf Grundlage ausgetauschter Informationen, gemeinsame Überlegungen für Markt relevantes Vorgehen der Mitglieder zu entwickeln.

Damit hat sich für Verbände ein Risikofeld aufgetan, das bisher im Wesentlichen Unternehmen betraf. Und dies kann als die Geburtsstunde von Compliance in Verbänden gelten, die Ergebnis des gestiegenen Bewusstseins auch gegenüber rechtlichen Risikotatbeständen auf anderen Gebieten gewesen ist, wie Internetrecht, Datenschutz, Steuerrecht, Gemeinnützigkeit, Haftungsfragen von Ehren- und Hauptamt.

Nun wird in einem aktuellen Beitrag der Corporate Compliance Zeitschrift dafür geworben, auch das Lobbying in Compliance-Regelungen in Unternehmen einzubeziehen. Ist dies auch für Verbände empfehlenswert?

Social Media-Nutzung von Bundestagsabgeordneten

Mittwoch, 6. März 2013

Grafik Anzahl Abgeordnete Social Media_updateVerbände, die politische Interessenvertretung betreiben wissen, ein belastbares Netzwerk persönlicher Kontakte zu den jeweils relevanten Entscheidungsvorbereitern und Entscheidungsträgern ist nach wie vor entscheidender, als jeder andere Kanal.

Dessen ungeachtet ist es grundsätzlich ständige Aufgabe zu ermitteln, wie die Zielgruppen einer Organisation kommunizieren, welche Kanäle sie benutzen, wie sie also erreicht werden können.

Politisch arbeitende Verbände müssen folglich wissen, welche der für sie relevanten Bundestagsabgeordneten (auch) über welche Social Media-Kanäle kommunizieren.

Dies ist mitunter ein mühsames Unterfangen. Dank Martin Fuchs gibt es jetzt eine aktuelle quantitative Betrachtung mit dem Stichtag 21. Januar 2013, die er in seinem Blog Hamburger Wahlbeobachter vorgelegt hat.

Da es sich wirklich lohnt, die schön aufgearbeitete Nutzung von Social Media-Profilen der 620 MdBs je Netzwerk und Fraktionen selbst zu studieren, an dieser Stelle nur folgende Informationen:

  • 86 Prozent aller Bundestagsabgeordneten besitzen mindestens ein Social-Media-Profil
  • Die Spannbreite reicht von der aktiven Nutzung von bis zu acht Profilen bis zur Nutzung von nur einem XING-Profil
  • 85 Abgeordnete besitzen aktuell kein Social-Media-Profil

Ich bin davon übereugt, dass sich die Anzahl der MdBs ohne Social Media-Profil nach der Bundestagswahl mindestens halbieren wird.

Hier nun verschiedene Links zu Thema:

 

2012 – Der kurze Rückblick

Mittwoch, 2. Januar 2013

im spiegelMit den besten Wünschen für das neue Jahr und einem herzlichen Dank für das steigende Interesse am Verbände//Talk kommt der kleine Jahresrückblick – zugegebener Weise dieses Mal ungewohnt spät.

Bevor aber mit den Planungen für 2013 begonnen wird, und bevor der Tatendurst sich für das neue Jahr Bahn bricht, hier einige wenige Themen, die in meinen persönlichen Rückblick auf das Jahr 2012 gehören.

1. EU-Lobbying

Insbesondere aufgrund einer Artikel-Serie im Verbände//Talk nahm die Interessenvertretung auf EU-Ebene 2012 den unangefochten thematischen Spitzenplatz ein.

Die Artikelserie hatte ihre Begründung in der Beobachtung, dass die Europäische Bewegung Deutschland und auch EurActiv mit ihren Angeboten bei Verbänden  in Deutschland immer mehr Zulauf erfahren.

2. Standards für das Lobbying

Die Dauerdiskussion um (ethische) Standards für das Lobbying hielt auch 2012 Dank fragwürdiger Praktiken und einiger Publikationen zum Thema an.

Während in Österreich 2012 unter großer Anteilnahme gesellschaftlicher Gruppen ein entsprechendes Bundesgesetz verabschiedet wurde, hat die Regierungs-Koalition in Deutschland vergleichbare Regelungs-Forderungen noch nicht einmal ignoriert.

3. Social Media

Nicht verwunderlich: die sozialen Medien und ihre Nutzung für die Darstellung, Information und die Kommunikation stehen – wie jedes Jahr – auf der Themen-Hitliste weit oben.

Warum sollte es auch bei Verbänden anders sein als in Unternehmen? Einen Unterschied gilt es jedoch festzuhalten: Verbände hinken bei der sinnvollen, strategischen Nutzung der sozialen Medien im Vergleich sicherlich noch ein Stück hinterher. Und dies lässt sich nicht nur mit limitierten Ressourcen begründen.

4. Weiter Zunahme von Verbandsgründungen

Ungebrochen war in Deutschland auch 2012 der Trend zu weiteren Verbandsgründungen. Die ständig steigende Regelungstiefe und -breite sowie komplexe volks- und betriebswirtschaftliche Zusammenhänge sind wohl wesentliche Triebfedern der anhaltenden Entwicklung.

Das Deutsche Verbände Forum und die Deutsche Gesellschaft für Verbandsmanagement beobachten seit 1990 einen durchschnittlichen Zuwachs von Verbänden um jährlich fünf Prozent.

Etwa 15.500 Organisationen gelten hiernach als Verbände. 8.700 Verbände verfügen über eine hauptamtliche Geschäftsführung. Ca. 1.500 Verbänden haben ihren Haupt- oder Nebensitz in Berlin.

Ergänzung vom 3.1.:

5. Digitale Unterstützung der Verbandsarbeit

Ein Thema sollte an dieser Stelle nicht fehlen: das zunehmende Bedürfnis von Verbänden an professionellen, systemkonformen digitalen Lösungen für ihrer Arbeitsabläufe.

Auf die zahlreichen Anforderungen und Herausforderungen sind 2012 insbesondere zwei Veranstaltungen eingegangen: die Ausstellung und Fachtagung “Software & IT für Verbände und Organisationen” vom September und das fortlaufende Veranstaltungsformat „FASTBREAK – digitale Verbandsarbeit im Dialog“, bei der für Verbände und Organisationen bisher fünf Themen aufgegriffen wurden. FASTBREAK wird in 2013 fortgeführt.

 

Lobbying: Über das Gemeinwohl und die Holschuld der Politik (4)

Dienstag, 4. Dezember 2012

Update: Der vierteilige Beitrag ist noch in 2012 im Verbändereport in der Ausgabe 09/2012 veröffentlicht worden.

Kleine Artikelserie in vier Teilen aus Anlass der aktuellen Publikation „Schluss mit Lobbyismus!“ der taz-Chefredakteurin Ines Pohl – Teil 4.

Lobbying erfordert Zugang zu politischen Entscheidungsträgern

Lobbying ist der organisierte Austausch von Informationen. Interessenvertreter erhalten Einblick in den aktuellen Diskussions- und Abstimmungsprozess von Politik und Verwaltung, während den politischen Entscheidungsträgern Spezialwissen vermittelt wird.

Ein Wissen, das sie zur Entscheidungsfindung dringend benötigen, um die Konsequenzen von Entscheidungen oder dem Ausbleiben von Entscheidungen möglichst umfänglich zu verstehen. Und ein Wissen, das ihnen ohne Lobbying nicht zur Verfügung stünde.

Man muss keine Beispiele aus der Finanzmarktregulierung oder der Energiewende bemühen, um nachvollziehen zu können, dass die Komplexität der Sachverhalte selbst Fachpolitiker regelmäßig  an den Rand der inhaltlichen Überforderung bringt, wenn nicht darüber hinaus.

Nun geht es beim Lobbying mal transparent zu, mal nicht. Mal schreiben Lobbyisten oder Kanzleien an Gesetzesvorschlägen mit, mal nicht. Einige Interessengruppen bombardieren Abgeordnete mit Mails, Telefonaten und dringenden Gesprächswünschen, andere nicht. Einige Verbände werben Politiker als Hauptgeschäftsführer oder Berater für ihre Geschäftsstelle ab, andere wären froh, überhaupt eine hauptamtlich geführte Geschäftsstelle finanziell stemmen zu können.

Sind das wirklich Praktiken, die unsere Demokratie aus dem Gleichgewicht bringen?

Lobbying: Über das Gemeinwohl und die Holschuld der Politik (3)

Freitag, 30. November 2012

Kleine Artikelserie in vier Teilen aus Anlass der aktuellen Publikation „Schluss mit Lobbyismus!“ der taz-Chefredakteurin Ines Pohl – Teil 3.

Die Publikation Schluss mit Lobbyismus! hält im Ergebnis keine neuen Impulse für eine Debatte zum Thema Demokratie und Lobbying parat. Sie weicht sogar der näheren Betrachtung spannender Aspekte aus, wie der Verantwortung der Politik oder einer Hinterfragung des „Gemeinwohls“.

Partikularinteressen versus Gemeinwohl?

Die Begründung der Herausgeberin für die „Auswüchse“ beim Lobbying überraschen nicht: Es gehe um die Partikularinteressen von Industrieverbänden, Industrieberatern und Großkonzernen zuungunsten des Gemeinwohls.

Wie bestimmt sich aber das Gemeinwohl? Gibt es ein Gemeinwohl per sé, das der Allgemeinheit, also irgendwie allen, nützt?

War die Abwrackprämie nun die Durchsetzung von Partikularinteresse der deutschen Autoindustrie oder diente sie dem Allgemeinwohl, weil alte Dreckschleudern gegen umweltgerechtere Fahrzeuge ausgetauscht wurden, die dazu noch von mittleren und unteren Einkommensschichten erworben werden konnten?

Hat die Chemieindustrie die Chemikalienrichtlinie REACH erfolgreich gegen das Allgemeinwohl verwässert oder bestand die Berücksichtigung des Gemeinwohls in einem Ausgleich der Interessen auch volkswirtschaftlicher Aspekte (Wettbewerb, Arbeitsplatzverluste) sowie der Berücksichtigung des Geldbeutels eines Großteils der Bevölkerung?