Das Blog zur Interessensbildung, Meinungsbildung Interessenvertretung von Verbänden

Schlagwort ‘Haupt- und Ehrenamt’

Corporate Governance – Kein Thema (mehr) für Verbände? (Teil II)

Montag, 25. Juli 2011

Der erste Teil dieses Beitrags hat aufgezeigt, dass die akademisch recht fulminant geführte Diskussion um Corporate Governance-Regelungen für NGOs und Verbände („Nonprofit Governance“) bis auf wenige Ausnahmen ohne Resonanz bei den Organisationen geblieben ist.

Das ist zunächst einmal überraschend, denn es gibt durchaus sensible Themen, die (die Diskussion über) Regelungen zur guten Verbandsführung sinnvoll erscheinen lassen: die Organisation von Steuerungs- und Kontrollaufgaben in Verbänden zwischen Haupt- und Ehrenamt, der Professionalisierungsdruck, und die systematische Berücksichtigung (gestiegener) Anforderungen von Stakeholdern sind solche Themen.

Gleichzeitig hätte sich für Verbände die Möglichkeit eröffnet, Werte, Selbstverständnis und ihre gesellschaftliche Rolle – insbesondere im Lichte der Lobbyismus-Diskussion der vergangenen Jahre – aktiv, selbstbewusst und transparent darzulegen.

Dazu ist es jedoch nicht gekommen. Die Corporate Governance-Diskussion in Verbänden ist nicht gescheitert, sie fand einfach nicht statt, weder in Haupt- oder Dachorganisationen für die eigenen Mitgliederstrukturen, noch in einer Verbandsübergreifenden Struktur, ähnlich wie in der Wirtschaft.

Die Gründe liegen wohl darin, dass es im Vergleich zur Unternehmenswelt an zwei Dingen fehlte: an wahrgenommenem äußerem Druck (ausländische Investoren) sowie an Meinungsführern und Strukturen (Regierungskommission), die eine solche Diskussion, Ergebnisse und ihre einheitliche Anwendung ermöglicht hätten.

5 Fragen an … die Verbändeberaterin Dr. Sabina Fleitmann zu Mitarbeiterprofilen und Recruiting in Verbänden

Montag, 11. Juli 2011

Frau Dr. Sabina Fleitmann ist selbständige Organisationsberaterin für Verbände. Sie unterstützt bei der strategischen Verbandsentwicklung und beim Gremien- und Personalmanagement und bietet auch Seminare und Workshops zu diesen Themen an. Das Personalmanagement in Verbänden kennt sie auch aus eigener langjähriger Tätigkeit als Geschäftsführerin in einem Berufs-/Personenverband.

V//T: Frau Dr. Fleitmann, Personalmanagement ist für Verbände nicht immer ein Thema mit oberster Priorität, vielfach stehen – auch angesichts ausgelasteter Kapazitäten in den eher kleinen Geschäftsstellen – drängende sachliche Fragen und Mitgliederanliegen im Geschäftsführungsalltag im Vordergrund. Was bringt Sie dennoch dazu, dem Personalmanagement eine relativ große Bedeutung beizumessen?

SF: Für mich ist Personalmanagement auf keinen Fall Selbstzweck, darf nicht isoliert gesehen werden, sondern nur im Zusammenhang mit den Zielen und Strukturen des Verbandes insgesamt. So gesehen ist Personalentwicklung immer auch Organisationsentwicklung. Was heißt das konkret?

Wenn ich gute Ergebnisse in und für meinen Verband erreichen will, also sachlich erfolgreich dastehen möchte, brauche ich Menschen, die mit mir gemeinsame die Ziele umsetzen möchten, und dafür auch fachlich und persönlich gut geeignet sind. Gerade in den für Verbände typischen kleinen Geschäftsstellen muss ich notwendigerweise MitarbeiterInnen binden und halten, gleich auf welcher Ebene, weil Wissen und Strategien in Verbänden sehr stark personengebunden sind.

Personalmanagement und damit auch ein Mitarbeiterprofil Verbandsarbeit ist ein Instrument, das bei der Positionierung des Verbandes helfen kann, das den Verband in seinem Fachumfeld, aber auch in der allgemeinen Öffentlichkeit verknüpft, und das schlicht und einfach den Verbandsalltag und die Verbandsaktivitäten stärker strukturiert, systematisiert und damit alle Beteiligten, also Haupt- und Ehrenamt, entlastet und für ihre Aufgaben verstärkt motiviert.

Das Mitarbeiterprofil in Verbänden

Dienstag, 12. April 2011

Auf dem Weg zur Durchführung eines Workshops über Mitarbeiterprofile und Personalmanagement in Verbänden möchte ich der Frage nachgehen, ob für die hauptamtliche Arbeit in (politisch arbeitenden) Verbänden ein eigenständiges, unterscheidbares Mitarbeiterprofil zu berücksichtigen ist. Ich denke, es gibt Hinweise, dass dies ist in der Tat so gesehen werden muss.

Schauen wir uns zunächst die drei übergeordneten Aufgabenfelder von Verbänden an:

  1. Serviceleistungen (Information, Beratung, Weiterbildung, Netzwerkfunktion, caritative Arbeit etc.),
  2. die interne Interessenkoordination und Meinungsbildung, sowie
  3. die externe Interessenvertretung und politische Repräsentanz.

Innerhalb dieser Aufgabenfelder hat es die Verbandsmitarbeiterschaft mit einer beachtlichen Anzahl sehr heterogener Zielgruppen zu tun. Von ehrenamtlichen Mitarbeitern, (Mitarbeitern von) Mitgliedern (unterschiedlicher Art: ordentliche, Ehren-, Förder- etc.), über Ansprechpartner in Politik, Verwaltung, Medien, bei Hilfebedürftigen, Spendern und Sponsoren, Geschäftspartnern bzw. Dienstleistern bis hin zur interessierten Öffentlichkeit (Soziale Medien!) existiert eine einzigartige Bandbreite.

Darf ich Sie zurückrufen?

Freitag, 9. April 2010

Die aktuelle Pressemeldung befindet sich seit gestern Vormittag im Abstimmungsprozess, ein Reichstag-Hinterbänkler profiliert sich auf Kosten inhaltlichen Tiefgangs zu einem Kernthema des Verbandes, in Foren und Blogs wird ein Anliegen des Verbandes in einer für die Mitglieder unannehmbaren Weise diskutiert, das Ministerium präsentiert einen Vorschlag, zu dem der Fachausschuss eine andere Auffassung vertritt als der Präsident, und obendrein möchte ein Print-Redakteur am Telefon einen O-Ton zum Ministeriumsvorstoß – jetzt.

Zeit gewinnen und zurückrufen, in der Zwischenzeit den Geschäftsführer auf der Dienstreise erreichen und danach den Präsidenten im Betrieb, um das Vorgehen abzustimmen und den O-Ton nach zu liefern – es gab Zeiten, da war das möglich.