Das Blog zur Interessensbildung, Meinungsbildung Interessenvertretung von Verbänden

Schlagwort ‘Glaubwürdigkeit’

Vor und hinter der Bühne – Die wunderliche Wahl zum Vorsitzenden des Deutschen Beamtenbundes

Freitag, 14. Dezember 2012

Stellen wir uns folgende Situation vor: Der Vorsitzende einer gewichtigen Interessenvertretung steht für eine weitere Amtszeit nicht mehr zur Verfügung. Und er kündigt dies acht Monate vor den turnusmäßigen Wahlen an.

In der Folge erklären zwei Personen aus der Organisation ihre Bereitschaft zur Kandidatur.

Zwei Menschen mit unterschiedlichen Persönlichkeiten, Philosophien und Positionen im Wettstreit um ein renommiertes Amt. Knapp 900 Delegierte können sich mehrere Monate ein Bild machen, Ansichten und Argumente wägen, und jeder für sich am Wahltag die für die Zukunft der Organisation beste Entscheidung treffen.

Wie klingt das? „Vorbildlich und demokratisch“ träumen die einen. „Naiv und realitätsfern“ wissen die anderen.

Lobbying und Sprache

Mittwoch, 15. Februar 2012

Aktuell ist in der Online-Ausgabe von Politik und Kommunikation unter dem Titel „Das Arsen der Lobbyisten“ ein Artikel über die Rolle von Sprache im Lobbying platziert.

Der Sozialwissenschaftler Andres Kolbe erläutert anhand einiger Beispiele, dass Wortkreationen und innovative Umdeutungen seit einigen Jahren zum Werkzeugkasten der Interessenvertreter gehören.

Ja und?, möchte man antworten. Warum sollte die Rolle der Sprache im Lobbying eine marginalere Rolle oder andere Qualität einnehmen, als in allen anderen Bereichen des Privaten oder Öffentlichen?

Der Autor verfällt im Übrigen selbst der Versuchung, Sprache bewusst für die eigene Interessenvertretung einzusetzen und wie Arsen wirken zu lassen: langsam, aber sicher.

„Wie funktioniert das eigentlich mit dem Lobbyismus?“ ZDF mit seichter Recherche

Freitag, 16. September 2011

„Lobbyisten sind auf dem Vormarsch“ hat nun auch das ZDF festgestellt. „Was bedeutet das für die Politik? Wie genau funktioniert das eigentlich mit dem Lobbyismus, mit dem Strippenziehen?“

Während die zweite Frage in der ZDF-Sendung „Die heimlichen Strippenzieher“ noch ganz anschaulich beantwortet wurde, war die redliche Diskussion der Wirkung auf die Politik in 30 Minuten schlicht nicht möglich, und daher wohl nicht ernsthaft angestrebt.

Teil 1 des ZDF-Beitrags

Brüderle, Schnappauf und das Moratorium – ein politisches Lehrstück in fünf Akten

Freitag, 25. März 2011

1. Akt (Männerlachen, Zigarettenqualm, entspannte Atmosphäre)

Am 14. März nahm Wirtschaftsminister Brüderle an einer Vorstands- und Präsidiumssitzung des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) teil, grundsätzlich ein Heimspiel für Brüderle.

Am gleichen Tag vermeldete Bundeskanzlerin Merkel das Atom-Moratorium. Die gute Stimmung konnte das beim BDI nicht wirklich trüben. Augenzwinkernd begründet der Wirtschaftsminister die vorübergehende Abschaltung älterer Atomkraftwerke mit dem Wahlkampf in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz.

2. Akt (Büro im BDI, ein Mitarbeiter tippt am PC)

Die Worte Brüderles von der Sitzung werden protokolliert. Man kann sich vorstellen, wie sich der Protokollant gewunden hat, um der Aussage eine einigermaßen diplomatische Fassade zu verleihen. Warum die Äußerung überhaupt Platz im Protokoll findet, ist völlig schleierhaft und zeugt mindestens von geringem politischen Gespür.

Das Protokoll wird vom Hauptgeschäftsführer des BDI (hoffentlich!) zwar nicht gelesen, aber genehmigt.

3. Akt (abgedunkelt, Personen huschen umher, telefonieren leise)

Ungesund – Birgit Fischer wechselt zum VfA

Freitag, 18. März 2011

Die Gewerkschafterin und SPD-Politikerin Birgit Fischer wechselt zum Verband forschender Arzneimittelhersteller. Was zunächst wie ein Coup des Verbands wirken könnte, mit dem er sich offensichtlich ein neues Image verpassen möchte, hat einen fahlen und fatalen Beigeschmack.

Als Gesundheitsministerin in NRW und auch noch als Chefin der größten gesetzlichen Krankenkasse beklagte Fischer die Pharmaindustrie und ihr Preismonopol. Ab Juni wird sie alles daran setzen, dies zu bewahren. Als Barmer-Chefin verteufelte Fischer einen Lobbyismus von Pharmaherstellern und Apotheken, denen es in erster Linie um Profit und vielleicht dann um Patienten gehe. Jetzt wird sie selbst VfA Chef-Lobbyistin.

Lobbying lebt von Vertrauen und Glaubwürdigkeit. In der öffentlichen Meinung hat Lobbying darüber hinaus mit einen miserablen Ruf zu kämpfen. Der mit einem Gehaltssprung erleichterte Gesinnungswandel von Birgit Fischer wird diesen Ruf leicht bestätigen.

 

Alles wie geschmiert

Donnerstag, 15. April 2010

Da ist er wieder, der böse Lobbyist! Von Aufklärern aus den dunklen Vorhöfen der Macht in das Scheinwerferlicht von Zeitungen, Radiofeatures und Talkshows gezerrt. Endlich wieder deutlich wird das verbotene Treiben von gesichtslosen Fieslingen, die in Hinterzimmern mit gebündelten Geldscheinen, Lachshäppchen und Châteauneuf du Pape willen- und ahnungslosen Abgeordneten auflauern, um ihnen unrechte Meinungen in ihre Gesetzesvorlagen zu diktieren.

Spendenverbot! Transparenz! und Wehe dem Drehtür-Effekt! schallt es in die scheinheilige Debatte.