Das Blog zur Interessensbildung, Meinungsbildung Interessenvertretung von Verbänden

Schlagwort ‘EU’

Verbände ohne besonderen Einfluss bei der EU-Entscheidungsfindung

Montag, 29. Juli 2013

Rechtssystem EuropaEurActiv.de und die Europäische Bewegung Deutschland (EBD) haben 580 Stakeholder von deutschen Unternehmen und Verbänden nach den neuesten Trends auf europäischer Ebene befragt.

Die Umfrage soll so Anregungen für die Ausrichtung der Kommunikationsstrategien geben und entsprechende Potenziale aufzeigen.

Hier einige zentrale Erkenntnisse:

  • In den Bereichen Finanz- und Fiskalpolitik (83,2%), Energie, Klima, Umweld (ca. 72%) und Wirtschafts- und Wettbewerbspolitik (60%) rechnen die Befragten mit einem besonders wachsenden Einfluss der EU, gefolgt von Gesundheit und Verbraucherschutz mit nicht einmal 38%,
  • erstaunliche über 52% sind der Meinung, dass Verbände und Gewerkschaften wenig oder sehr wenig Einfluss auf die Entscheidungsfindung auf europäischer Ebene haben,
  • und gut 65% sind der Meinung, dass sich die bescheidene Bedeutung von Verbänden und Gewerkschaften in den letzten fünf Jahren nicht verändert hat, während etwa 24 % davon ausgehen, dass sie einen Bedeutungsverlust bzw. einen starken Bedeutungsverlust hinnehmen mussten,
  • Europapolitik wird nicht nur in Brüssel, sondern auch in den einzelnen Mitgliedstaaten gemacht: für etwa 63% der Befragten sind die Bundesministerien und für ca. 52,5% der Bundestag von großer bzw. sehr großer Bedeutung für ihre europapolitische Arbeit,
  • etwa jeder Zweite hält den Stellenwert der Europawahlen für die eigene Organisation für groß bzw. sehr groß,
  • die Hälfte der Befragten haben eine eigene Europaabteilung im Unternehmen oder Verband, 49% haben sogar eine eigene Repräsentanz in Brüssel,
  • knapp ein Viertel der Befragten geben an, bereits mehr auf europäischer als auf nationaler Ebene zu kommunizieren.

Hier gibt es die Zusammenfassung der Ergebnisse.

 

 

5 Fragen an Simon Raiser von planpolitik über tiefere Einblicke in politische Dynamiken und Aushandlungsprozesse

Mittwoch, 22. Mai 2013

Simn-Raiser-planpolitik-CIMG3457_kleinSimon Raiser ist einer der beiden Geschäftsführer der planpolitik GbR, die seit 2005 mit politischen Planspielen, Trainings, Workshops sowie durch die Erstellung von Lehrmaterialien politische Zusammenhänge vermittelt.

V//T: Planpolitik hat sich zur Aufgabe gemacht genauer zu klären, wie Politik funktioniert. Nun gibt es hierzu reichlich Literatur, Informationen im Netz sowie die tägliche Berichterstattung der Medien. Welchen Mehrwert bietet planpolitik für welche Zielgruppen?

SR: planpolitik hat sich auf den Einsatz von interaktiven Lernmethoden für sehr unterschiedliche Zielgruppen spezialisiert, d.h. wir möchten die Teilnehmenden unserer Angebote in erster Linie selbst erfahren lassen, wie man beispielsweise als Interessenvertretung Einfluss auf politische Entscheidungen nehmen kann. Dahinter steht die Überzeugung, dass die Teilnehmenden nachhaltiger lernen, wenn sie mit einbezogen werden. Und dazu macht es ihnen meistens auch noch Spaß.

Interaktive Methoden sind insofern eine ideale Ergänzung für die von Ihnen genannte Literatur oder auch für den klassischen Vortrag. Sie verstetigen durch das eigene Erfahren das Erlernte, führen zu einer reflektierten Sichtweise auf das gewählte Problemfeld und ermöglichen häufig Erkenntnisse für eine effektive Vorgehensweise in der „realen Welt“.

Diese Grundannahmen über den Mehrwert interaktiver Methoden sind unserer Erfahrung nach übrigens unabhängig von der Zielgruppe. Entsprechend haben wir Angebote für Schüler, Studierende und Berufstätige.

V//T: Politik hat etwas mit formal-juristischen Grundlagen wie Gesetzen, Verordnungen und auch Geschäftsordnungen zu tun. Dann geht es aber auch um konkurrierende Interessen, deren Vertreter innerhalb und außerhalb der Politik, um Ressourcen, Einfluss, Macht und die Rolle der Medien. Welche Rolle spielt die politische Interessenvertretung, das Lobbying in ihren Angeboten?

EU-Berichterstatter hinterfragt Rolle von Abgeordneten beim Lobbying

Dienstag, 12. Februar 2013

Blogger-Kollege Richard Gutjahr hat ein Interview mit dem Berichterstatter des EU-Parlaments zu EU-Datenschutzverordnung Jan Phillip Albrecht von den GRÜNEN geführt.

Die Erlebnisse, Informationen und Einblicke von Herrn Albrecht geben einen umfassenden Blick dafür frei, welche mächtige und ausgefeilte Lobby-Maschinerie in Bewegung kommt, wenn EU-Gesetzgebung den rechtlichen Rahmen für große, weltweit tätige Player absteckt – hier des Kommunikations-, Informations- und Internetzeitalters.

Dass Abgeordnete auf Informationen von Interessengruppen für die eigene Entscheidungsfindung angewiesen sind, und dass zwischen den Lobby-Akteuren keine Waffengleichheit besteht, ist bekannt und nicht der spannenden Kern der Aussagen.

Wirklich sehenswert macht den Beitrag die von Albrecht gemachte Beobachtung, dass viele Abgeordnete sich nicht der Mühe unterziehen, alle relevanten Positionen zu einer Fragestellung kennenzulernen, um dann zu einer fundierten Entscheidung zu gelangen. O-Ton Albrecht:

„Es ist natürlich so, dass die Abgeordneten und die Beteiligten an einem solchen Gesetzgebungsprozess über entsprechenden Input sehr froh sind. …

Die Abgeordneten … schauen sich nicht die Vorschläge der jeweils anderen Perspektive an. … Meines Erachtens ist die Frage letztentlich nicht, ob man sich inspirieren lässt von den Meinungen unterschiedlicher Perspektiven, wenn man seine eigenen Anträge schreibt und natürlich habe ich das auch getan. … Nur, der Punkt ist, wägt man es vorher ab, überprüft man es, überlegt sich, von wem genau das kommt und vor allen Dingen, tut man es in einem Prozess, in dem man die unterschiedlichen Perspektiven auch diskutiert und öffentlich zur Debatte stellt oder übernimmt man einfach nur irgendeine Formulierung, um sie einzubringen, um damit jemandem zu gefallen.“

Die Holschuld der Politik im Lobbying-Prozess wird offensichtlich grob missachtet. Und nur dann gewinnt die Ungleichheit der Waffen der Lobbying-Akteure Relevanz.

 

2012 – Der kurze Rückblick

Mittwoch, 2. Januar 2013

im spiegelMit den besten Wünschen für das neue Jahr und einem herzlichen Dank für das steigende Interesse am Verbände//Talk kommt der kleine Jahresrückblick – zugegebener Weise dieses Mal ungewohnt spät.

Bevor aber mit den Planungen für 2013 begonnen wird, und bevor der Tatendurst sich für das neue Jahr Bahn bricht, hier einige wenige Themen, die in meinen persönlichen Rückblick auf das Jahr 2012 gehören.

1. EU-Lobbying

Insbesondere aufgrund einer Artikel-Serie im Verbände//Talk nahm die Interessenvertretung auf EU-Ebene 2012 den unangefochten thematischen Spitzenplatz ein.

Die Artikelserie hatte ihre Begründung in der Beobachtung, dass die Europäische Bewegung Deutschland und auch EurActiv mit ihren Angeboten bei Verbänden  in Deutschland immer mehr Zulauf erfahren.

2. Standards für das Lobbying

Die Dauerdiskussion um (ethische) Standards für das Lobbying hielt auch 2012 Dank fragwürdiger Praktiken und einiger Publikationen zum Thema an.

Während in Österreich 2012 unter großer Anteilnahme gesellschaftlicher Gruppen ein entsprechendes Bundesgesetz verabschiedet wurde, hat die Regierungs-Koalition in Deutschland vergleichbare Regelungs-Forderungen noch nicht einmal ignoriert.

3. Social Media

Nicht verwunderlich: die sozialen Medien und ihre Nutzung für die Darstellung, Information und die Kommunikation stehen – wie jedes Jahr – auf der Themen-Hitliste weit oben.

Warum sollte es auch bei Verbänden anders sein als in Unternehmen? Einen Unterschied gilt es jedoch festzuhalten: Verbände hinken bei der sinnvollen, strategischen Nutzung der sozialen Medien im Vergleich sicherlich noch ein Stück hinterher. Und dies lässt sich nicht nur mit limitierten Ressourcen begründen.

4. Weiter Zunahme von Verbandsgründungen

Ungebrochen war in Deutschland auch 2012 der Trend zu weiteren Verbandsgründungen. Die ständig steigende Regelungstiefe und -breite sowie komplexe volks- und betriebswirtschaftliche Zusammenhänge sind wohl wesentliche Triebfedern der anhaltenden Entwicklung.

Das Deutsche Verbände Forum und die Deutsche Gesellschaft für Verbandsmanagement beobachten seit 1990 einen durchschnittlichen Zuwachs von Verbänden um jährlich fünf Prozent.

Etwa 15.500 Organisationen gelten hiernach als Verbände. 8.700 Verbände verfügen über eine hauptamtliche Geschäftsführung. Ca. 1.500 Verbänden haben ihren Haupt- oder Nebensitz in Berlin.

Ergänzung vom 3.1.:

5. Digitale Unterstützung der Verbandsarbeit

Ein Thema sollte an dieser Stelle nicht fehlen: das zunehmende Bedürfnis von Verbänden an professionellen, systemkonformen digitalen Lösungen für ihrer Arbeitsabläufe.

Auf die zahlreichen Anforderungen und Herausforderungen sind 2012 insbesondere zwei Veranstaltungen eingegangen: die Ausstellung und Fachtagung “Software & IT für Verbände und Organisationen” vom September und das fortlaufende Veranstaltungsformat „FASTBREAK – digitale Verbandsarbeit im Dialog“, bei der für Verbände und Organisationen bisher fünf Themen aufgegriffen wurden. FASTBREAK wird in 2013 fortgeführt.

 

EurActiv.de-Diskussion zu EU-Trends in deutschen Verbänden

Donnerstag, 8. November 2012

EurActiv.de und die Europäische Bewegung Deutschland (EBD) haben ihre zweite Umfrage zum Thema EU-Trends in deutschen Unternehmen und Verbänden im Hinblick auf das Wahljahr 2013 durchgeführt.

Welchen Stellenwert hat die europäische Politik in deutschen Unternehmen und Verbänden? Wie sehen die europäischen Kommunikationsstrategien der Unternehmen und Verbände aus? Wie und in welchem Ausmaß können sich die Vertreter aus der Wirtschaft in die EU-Entscheidungsprozesse einbringen? sind Leitfragen der Umfrage.

Die Ergebnisse und Schlussfolgerungen werden nun in einem Workshop von EurActiv.de erörtert. Folgende Panelbesetzung ist geplant:

  • Bernd Dittmann, Geschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) und Leiter der Abteilung Europapolitik
  • Kai Falk, Geschäftsführer Kommunikation und Nachhaltigkeit beim Einzelhandelsverband HDE
  • Thomas Franke, Geschäftsführer von EurActiv Deutschland
  • Mitglied des deutschen Bundestags, CDU/CSU-Fraktion (N.N.)

Die Veranstaltung findet statt

am Dienstag, 20. November 2012
von 10:00 – 12.00 Uhr
im Haus der Bundespressekonferenz
Raum 0107
Schiffbauerdamm 40
10117 Berlin

Die Teilnehmerzahl ist auf 30 Teilnehmer begrenzt. Die Anmeldung kann bis zum 19. November 2012 per E-Mail erfolgen an:

Ann-Katrin Bohmüller (a.bohmueller@euractiv.de), Tel 030 – 2088-9003

 

Informationen, EU-Blogs, Glossare – Abschluss der Serie zur EU-Interessenvertretung

Freitag, 24. August 2012

Sind es nun 50, 65 oder gar 80 Prozent?

Wie hoch der Einfluss der EU-europäischen Gesetzgebung auf die deutsche Legislative nun auch sein mag, wohl kein deutscher Verband kann seine Interessenvertretung redlich ohne Informationen über gesetzgeberische Vorhaben oder Initiativen aus Brüssel organisieren.

In den vergangenen Wochen habe ich im Verbände//Talk daher dem Thema EU-Lobbying Exklusivität eingeräumt. Neben einigen grundlegenden Informationen rund um die EU-Gesetzgebung haben insbesondere Vertreter deutscher und europäischer Verbände, des Europäischen Parlaments, Public-Affairs-Berater, Vertreter von deutschen Europa-Plattformen und -Netzwerken sowie von LobbyControl Gelegenheit erhalten, ihre jeweilige Sicht auf Aspekte der EU-Entscheidungsfindung und der -Interessenvertretung sowie auf Informations- und Vernetzungsmöglichkeiten darzulegen.

Der abschließende Beitrag XV zur Serie listet ausgewählte Informations- und Recherche-Quellen zur EU:

5 Fragen an … Nina Katzemich von LobbyControl über mangelnde Transparenz, ungleiche Zugänge und fragwürdige Strategien

Samstag, 18. August 2012

Nina Katzemich hat unter anderem fünf Jahre als wissenschaftliche Mitarbeiterin für die GRÜNEN-MdB Schewe-Gerigk gearbeitet. Seit Mai 2009 widmet sie sich bei LobbyControl insbesondere der Arbeit über den Lobbyismus in Brüssel.

Teil XIV der Serie zum EU-Lobbying.

V//T: Frau Katzemich, LobbyControl ist ein gemeinnütziger Verein, der – so ist es auf seiner Website zu lesen – über „Machtstrukturen und Einflussstrategien in Deutschland und der EU aufklären will“ und „Impulse für Transparenz, eine demokratische Kontrolle und klare Schranken der Einflussnahme auf Politik und Öffentlichkeit“ liefern möchte.

Es geht LobbyControl also nicht darum, Interessenvertretung grundsätzlich zu ächten. Aber was ist aus Ihrer Sicht nicht hinnehmbar und wie stellen Sie sich konkret die zitierte demokratische Kontrolle und die klaren Schranken der Einflussnahme vor?

NK: LobbyControl ist nicht gegen das Einbringen von Interessen und Bewertungen durch Interessengruppen in die Politik per se, auch wir sehen, dass dies in einer pluralen Demokratie notwendig ist. Für uns gibt es, grob gesagt, drei Problemfelder, die es zu bearbeiten gilt:

1. Mangelnde Transparenz: Bürgerinnen und Bürger wissen nicht, wer mit welchem Geld wessen Interessen in der Politik vertritt. Wir streiten daher auf deutscher und auf europäischer Ebene für verpflichtende Lobbyregister für alle Lobbyakteure. Europa ist hier schon einen guten Schritt weiter gekommen, aber immer noch ist das Lobbyregister von Kommission und Parlament freiwillig und zentrale Lobbyakteure fehlen oder machen unzureichende Angaben.

2. Ungleiche Zugänge: Wir kritisieren auch, dass heute wirtschaftliche Interessen gegenüber anderen, z.B. den Interessen von Verbrauchern, einen privilegierten Zugang zur Politik haben. Dies hat zahlreiche Gründe. Unterschiedliche Ressourcen spielen dabei eine wichtige Rolle – so können beispielsweise Kontakte und Strategien über große Lobbyagenturen gekauft oder gleich ehemalige Politikerinnen und Politiker für ein hohes Gehalt engagiert werden.

Unter anderem fordern wir daher eine dreijährige Abkühlphase für Politikerinnen und Politiker, die in Lobbytätigkeiten wechseln möchten. Auch Parteispenden und exklusive Lobbyveranstaltungen sind Mittel, um sich Parteien und Politiker gewogen zu machen – wir fordern daher, Parteispenden noch transparenter zu machen und auf 50.000 Euro pro Partei und Spender/-in zu begrenzen. Parteisponsoring sollte wie Parteispenden behandelt werden. Einladungen an Abgeordnete müssen ebenfalls begrenzt werden.

3. Zunahme fragwürdiger Strategien: Gerade in Brüssel sind diese an der Tagesordnung. Lobbyagenturen täuschen im Auftrag von Unternehmen zu einem bestimmten Thema Bürgerinitiativen vor, Denkfabriken geben im eigenen Namen Studien heraus, deren wahre Auftraggeber unbekannt bleiben. Bürgerinnen und Bürgern wird so mit Absicht eine falsche Neutralität vorgetäuscht. Auch in Berlin beobachten wir, dass auf solche Strategien zurückgegriffen wird. Derartige bewusste Täuschungsmanöver müssen sanktioniert werden.

V//K: Die Europäische Kommission hat nicht den Anspruch fachlicher Allwissenheit, sondern versteht sich eher als professionelle Organisatorin eines Verwaltungsverfahrens, das die systematische Berücksichtigung von Argumenten aller relevanten Interessengruppen organisiert. Sehen Sie auf der EU-Ebene trotzdem ähnliche Probleme wie bei der Interessenvertretung in Deutschland?

Übersicht über die beeidruckende Vielfalt von EU-Lobbyorganisationen

Montag, 13. August 2012

Im heutigen Teil XIII der Serie zur EU-Interessenvertretung möchte ich auf einen Artikel von EurActiv verweisen, der heute erschienen ist.

Unter dem Titel „Jobs in der EU-Community: Tipps für Bewerbungen“ werden die Dimensionen der EU-Maschinerie in Brüssel, aber auch den Mitgliedstaaten deutlich. Eine Kostprobe?

  • Die EU-Community besteht aus 100.000 Personen, die in Brüssel arbeiten, und weiteren 700.000, die in den Mitgliedsstaaten tätig sind.
  • Von den 100.000 Personen arbeiten 50 Prozent in den EU-Institutionen, die anderen bei sektoralen, nationalen, regionalen und internationalen Stakeholdern.
  • Jährlich stehen in Brüssel 5.000 Jobs mit EU-Bezug zur Verfügung.
  • Neben den Ständigen Vertretungen der EU-Staaten existieren ungefähr 300 Vertretungen europäische Regionen und Städte.
  • 400 Unternehmen und 3.000 industrielle Vereinigungen sind mit Büros in Brüssel vertreten, die Mehrzahl der Vereinigungen mit einem bis fünf Mitarbeitern.
  • Ferner zählt EurActiv ungefähr 400 Beratungsfirmen in Brüssel, die sich hauptsächlich mit EU-Angelegenheiten beschäftigen.
  • Etwa 1.000 Journalisten berichten aus Brüssel.

Der Artikel in voller Länge.

 

5 Fragen an … Dr. Hans-Gert Pöttering zur Rolle des EP im EU-Lobbying

Freitag, 29. Juni 2012

Dr. Hans-Gert Pöttering ist Mitglied des Europäischen Parlaments – als einziger Abgeordneter ununterbrochen seit der ersten Direktwahl 1979. Von 1999 bis 2007 war Dr. Pöttering Vorsitzender der EVP-ED-Fraktion und von 2007 bis 2009 Präsident des Europäichen Parlaments. Dr. Pöttering ist seit 2010 Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung.

Teil X der Serie zur EU-Interessenvertretung

V//T: Sehr geehrter Herr Präsident, seit über dreißig Jahren gehören Sie dem Europäischen Parlament an. Die Mitwirkungsmöglichkeiten des EP an der europäischen Gesetzgebung haben in dieser Zeit erheblich zugenommen. Sind Sie zufrieden mit den aktuellen Möglichkeiten des Parlaments? Ist ein Initiativrecht des EP im Gesetzgebungsverfahren wünschenswert und realistisch?

H-GP: Im Jahre 1979 hatte das Europäische Parlament keine Gesetzgebungskompetenz. Heute ist es, mit Ausnahme von Steuerfragen, zu 100% Mitgesetzgeber gemeinsam mit dem Rat. Diese Entwicklung war nicht vorhersehbar und ich bin sehr froh darüber. Jeder Zugewinn an Entscheidungskompetenz für das Europäische Parlament hat die Europäische Union demokratischer werden lassen.

Dennoch sind wir noch nicht am Ende dieser Entwicklung und zu den notwendigen Erfordernissen gehört auch ein Initiativrecht für das EP, das eines Tages kommen wird.

V//T: Hat das seit 2009 geltende ordentliche Gesetzgebungsverfahren als Standardverfahren der EU-Gesetzgebung zu einem gesteigerten Interesse von Lobbyisten am EP geführt?

H-GP: Nach meinen Informationen steigt die Zahl der Lobbyisten in Brüssel, der Kompetenzzugewinn des Europäischen Parlaments kann eine Ursache dafür sein.

V//T: Gibt es ein einheitliches Selbstverständnis der Abgeordneten des EP gegenüber politischer Interessenentwicklung? Ist Lobbying willkommen oder eher ein notwendiges Übel, Schimpfwort oder professioneller Vorgang?

5 Fragen an … Dirk Langolf und Rolf Kuby von der WirtschaftsVereinigung Metalle zur Interessenvertretung in Brüssel

Donnerstag, 21. Juni 2012

Teil IX der Serie zur EU-Interessenvertretung

Dirk Langolf leitet Kommunikation und Projektmanagement bei der WirtschaftsVereinigung Metalle (WVM). Rolf Kuby ist Leiter des Brüsseler Büros der WVM.

Die WVM vertritt die wirtschaftspolitischen Interessen der Nichteisen-Metallindustrie (Kupfer, Zink, Feuerverzinkung, Blei, Nickel, Aluminium, Magnesium) mit über 650 Unternehmen in Deutschland und mehr als 100.000 Beschäftigten. Die WVM verfügt seit 2005 über ein Europabüro in Brüssel.

V//T: Herr Langolf, Herr Kuby, beginnen wir mit ein paar Daten und Fakten zur WirtschaftsVereinigung Metalle: Wie ist der Verband mitgliedschaftlich strukturiert, wie groß ist die Mitarbeiterschaft, über welche Ressourcen verfügt das Brüsseler Büro und wie schlagen sich diese im Jahresbudget nieder?

DL/RK: Die WirtschaftsVereinigung Metalle arbeitet seit ihrer Gründung im Jahr 1946 als wirtschaftspolitische Interessenvertretung der metallerzeugenden und –verarbeitenden Unternehmen in Deutschland. Die Mitgliedschaft der WVM ist sehr breit zusammengesetzt. Sie reicht in der Primär-, Sekundär und Halbzeugerzeugung von Metallen vom internationalen Konzern überglobal operierende Familienunternehmen bis zu mittelständischen Gießereien und Feuerverzinkereien.

Das Team der WVM ist als BDI-Mitgliedsverband ein kleines aber wendiges Schnellboot unter den in Berlin und Brüssel arbeitenden Wirtschaftsverbänden. Mit 19 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Berlin, davon 10 Referentinnen und Referenten und einem Referenten in Brüssel zählen wir zu den kleineren Verbänden.

Das zeigt sich auch im überschaubaren Budget. Hier zählt das Prinzip des wirtschaftlichen Einsatzes der Mitgliedsbeiträge mit dem größtmöglichen Ertrag und Nutzen für die Mitgliedsunternehmen.

V//T: Welche EU-Themengebiete gilt es für die WirtschaftsVereinigung zu beobachten? Und wie groß ist prozentual die für ihre Mitglieder relevante Rechtssetzung, die originär aus Brüssel kommt?

DL/RK: Für uns als Wirtschaft ist Europa viel besser als sein Ruf. Aber in Brüssel arbeiten 25.000 Beamte unter einem Präsidenten und 26 Kommissaren. Der Output dieser Maschinerie ist immens und kompliziert. Europäische Energie-, Umwelt- und Klimapolitik und wichtige Handels- und Rohstoffpolitik sind die zentralen Themenfelder die wir gemeinsam mit unserem europäischen Dachverband Eurometaux und befreundeten Wirtschaftsverbänden in Brüssel für unsere Mitgliedsunternehmen aus- und bewerten.

Seit einigen Jahren kommt die europäische Industriepolitik als wichtige Klammer hinzu. Die Musik wird auf beiden politischen Bühnen – in Berlin und Brüssel gespielt. Der größte Teil der Partituren wird aber in Brüssel komponiert und daher gilt es auf beiden Bühnen präsent zu sein.

V//T: Welche Argumente führten zur Entscheidung, eine Repräsentanz des Verbandes in Brüssel einzurichten? Wie wurden und werden mögliche Alternativen wie beispielsweise die Interessenvertretung über einen europäischen Dachverband bewertet?