Das Blog zur Interessensbildung, Meinungsbildung Interessenvertretung von Verbänden

Schlagwort ‘Astroturf’

Verbände am Rande des Lobbyings – Der Deutsche Hanf Verband (DHV)

Montag, 3. Oktober 2011

Die Welt der Interessen vertretenden Verbände ist traditionsreich, seriös, gewichtig und damit per se eine ernste Angelegenheit. Dass alle, aber wirklich alle denkbaren Interessen in Deutschland in Verbänden organisiert sind, ist für die meisten Betrachter bewiesene Gewissheit.

Der Verbände//Talk stellt in loser Folge Verbände vor, die Belange vertreten, die nicht unbedingt an vorderster Front der Interessenvertretung zu vermuten sind und deren Lobbying uns nicht täglich begegnet; Verbände, die uns die gesamt Breite der Interessenvertretung in Deutschland vor Augen führen.

„Der Deutsche Hanf Verband: Deine professionelle Stimme für Cannabislegalisierung“, so der Opener auf der Website des Verbandes. Verbandes? Weit gefehlt, wie folgende Passagen aus der Selbstdarstellung des DHV belegen, die gleichzeitig interessante Ansichten zum Lobbying bieten:

„Die Gründung des DHV ging von der Agentur Sowjet (Hanf Journal) aus. … Im Oktober 2004 hat sich die Agentur Sowjet entschlossen, den DHV auszugründen, da er nun in der Lage ist, selbständig zu funktionieren.

Neuer Inhaber des DHV ist der bisherige Geschäftsführer Georg Wurth. Er versichert nun mit seinem guten Namen, dass der DHV nicht der persönlichen Bereicherung dient, sondern dazu, in der Hanfpolitik vorwärts zu kommen. Das politische System in Deutschland ist weniger durch direkte Demokratie als durch den Einfluss verschiedener Lobbyisten geprägt. Der DHV ist die logische Konsequenz aus dieser Erkenntnis.

Der Deutsche Hanf Verband ist kein Verband im klassischen Sinne [Hervorhebung Verbände//Talk], sondern eine Firma, die im Auftrag ihrer „Mitglieder“ und Sponsoren Lobbyarbeit für eine bessere Cannabispolitik betreibt, ohne von „Vereinsmeierei“ aufgerieben zu werden. Wir vertreten viele Firmen der deutschen Hanfbranche und zusätzlich private Sponsoren. Diese Art der professionellen Interessenvertretung von Hanfliebhabern ist einmalig in Deutschland.“

Das glaubt man sofort!

„Eines der wichtigsten Ziele des DHV ist die Legalisierung von Hanfprodukten als Genussmittel unter verbraucherfreundlichen Bedingungen. Dieses Hauptziel ist selbstverständlich nicht auf einen Schlag erreichbar. Deshalb kämpfen wir auch gegen alle Formen der alltäglichen Diskriminierung von Hanfkonsumenten, z.B. im Strafrecht, im Führerscheinrecht, am Arbeitsplatz, bei Cannabis als Medizin oder beim privaten Anbau einiger Hanfpflanzen zum Eigenkonsum. Firmen, die im Umfeld von Cannabiskonsumenten legale Produkte anbieten, dürfen dabei nicht behindert werden.“

Toll! Und hier der Imagefilm – ohne Hinweis auf die eigentliche Rechtsform des „Verbandes“. Astroturf für die Cannabislegalisierung:

 

Kunstrasen – Der Wolf-im-Schafpelz-Lobbyismus

Mittwoch, 9. Juni 2010

ZEITONLINE hat kürzlich auf einen Fall von zweifelhafter Interessenvertretung hingewiesen: Im Auftrag des Bundesverbandes Medizintechnologie e.V., einem Verband deutscher Hersteller und Händler von Medizinprodukten, organisiert die PR-Agentur Weber Shandwick über das eigens etablierte und als Patientenbündnis daherkommende „Aktionsbündnis Meine Wahl“ das Lobbying gegen das unliebsame Krankenversicherung-Wettbewerbsstärkungsgesetz. Unlauterer Tarnkappen-Lobbyismus oder redliche Kampagnenarbeit?