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Medialer Zampano oder Branchenexperte? – Die Suche nach dem geeigneten Präsidenten

Ein Verband benötigt, na klar, eine/n Präsidentin/en. Und sofern die/der Stelleninhaber/in nicht weiter zur Verfügung steht, stellt sich die Frage der geeigneten Nachfolge. Was benötigt die Organisation in der aktuellen Situation: eine Gallionsfigur, einen Medienprofi oder eher einen Branchenexperten? Und soll die Idealbesetzung angestrebt werden oder begnügt man sich mit einer realistischen, der zweitbesten Lösung?

Vor diesen Fragen stand auch der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL), der erst im Dezember 2010 nach langer komplizierter Geburt das Licht der Welt erblickt hat. Nun ist die Entscheidung gefallen: Nach dem Gründungspräsidenten und Branchenintimus Dieter Kaden wird Klaus-Peter Siegloch am 1. Juni 2011 die Position eines hauptamtlichen Präsidenten des BDL bekleiden – nachdem im Mai sein Engagement beim ZDF aus Altersgründen enden wird.

Der BDL hat sich für einen Medienprofi entschieden. Insbesondere Branchenkenner zweifeln an dieser Wahl. Das Blog des Touristik- und Business-Travel-Magazins fvw bezeichnet es gar als „handfeste Überraschung“.

Welches Stellenprofil macht eine/n geeigneten Präsident/in aus?

Medienprofi versus Branchenkenner

In Fall des BDL gibt er mit der Benennung der Gründungsmotivation selbst den ersten Hinweis: Die als Dachorganisation der Deutschen Flugbranche gegründete Verband soll die Unternehmen der Fluglinien, Flugsicherung und der Flughäfen nach eigener Aussage schlagkräftiger gegenüber der Politik vertreten.

Aber was braucht es zur effektiven Vertretung der Branchenpositionen gegenüber der Politik?

Solange die Verbandsmitglieder einig die zentralen Forderungen der Branche vertreten, könnte die Organisation auf einen gut vernetzten Medienfachmann setzen. Siegloch ist darüber hinaus Kenner des Berliner Politikbetriebs und verfügt über ein entsprechendes Netzwerk. Ob dieses Netzwerk auch die politische Entscheidungselite der (Luftverkehrs) Branche beinhaltet, ist da eher schon die Frage.

Nun kann der BDL leider nicht als geeint gelten. Zu uneins sind die Mitglieder so bspw. das Handelsblatt, vor allem der Flughafenverband ADV und sein Airline-gegenüber BDF, beispielsweise beim zur politischen Gestaltung anstehenden Thema der Flughafenentgelte.

Welche Positionen sollen also kraftvoll vertreten werden? Hier liegt der Hinweis nahe, dass die Branche gegebenenfalls eher einen unabhängigen Branchenexperten vertragen hätte, der den Verband mit inhaltlichem Sachverstand und mediativen Fähigkeiten zunächst einmal zu einer stimmigen Grundpositionierung verhilft.

Aber vielleicht wollten die Mitglieder ihre Stellung bei der Positionsfindung nicht aufgeben oder es ließ sich kein von allen Seiten anerkannter unabhängiger Fachmann ausmachen.

Ideallösung versus „realistische“ Wahl

Selbst wenn ein Medienkenner eine gute Wahl für den BDL darstellen sollte, ist Siegloch eine Idealbesetzung oder eher ein mediales Auslaufmodell?

Dem Verband der Automobilindustrie ging es bei der Besetzung der gleichen Position vor einigen Jahren nicht um die Frage des oder, sondern des und: Es wurde die Ideallösung angestrebt und mit Matthias Wissmann auch gewonnen. Er war sowohl Branchenexperte, wie exzellent im politischen Berlin und Brüssel vernetzt, als auch Medienprofi und in die Organisation akzeptierter Gestalter.

Aber wie gesagt, vielleicht war der „Starke Mann“ gar nicht gewollt.

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