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Verbandsmanagement – zurück zur Blümchenökonomie?

Die Verbandsführung war lange Zeit eine BWL-freie Zone. Kennzahlen, Controlling und harte Fakten hatten kollektives Hausverbot. Sie galten als nicht kompatibel mit dem Führungsverständnis im gesamten Dritten Sektor, mit Idealismus, Ethik, Werten und Gemeinschaft. Seit eineinhalb Jahrzehnten professionalisiert sich die Verbändelandschaft systematisch. Nun kursieren erneut Aufrufe, die eine Renaissance eines Führungsstils propagieren, der insbesondere auf weichen Faktoren wie Vertrauen, Wertschätzung und Respekt beruht. Wie das? Ein guter Chef ist wie ein Gärtner, sagt Götz Werner, Gründer der Drogeriemarktkette DM im Interview mit dem Handelsblatt und meint damit, dass Ziel von Personalmanagement die freie Entwicklung des Saatguts Mitarbeiter sein muss. Der bekennende Anthroposoph stellt das menschliche Bedürfnis kreativ zu sein, in das Zentrum seiner Führungsphilosophie. Burkhard Schwenker, ehemaliger Vorstandsvorsitzender und nun Aufsichtsratschef bei Roland Berger betont ebenfalls im Handelsblatt die zentrale Rolle von Werten wie Ehrlichkeit, Offenheit und Verantwortlichkeit und will darüber die individuelle Persönlichkeit der Mitarbeiter fördern. Ein zentrales Ergebnis der neuen Führungskräftebefragung 2010 ist, das gelebte Werte als Führungsinstrument und als Weg zu höherer und nachhaltigerer Wertschöpfung für Führungskräfte in deutschen Unternehmen eine zunehmend wichtigere Rolle spielen. Auftraggeber der 3. Führungskräftestudie ist die „Wertekommission – Initiative Werte Bewusste Führung“, ein Verein mit durchweg honorigen Größen aus Wirtschaft und Medien. Wieso sind Werte wieder in? Die neue Wertediskussion ist offensichtlich ein Ergebnis der Aufarbeitung der Wirtschafts- und Finanzkrise: Wenn es brummt, stört eine Wertedebatte die Feierlaune. Werte sind klassische Referenzpunkte in schwierigeren Zeiten. Werte sollen aber nun, so wohl der Tenor der neuen Diskussion, als strukturelles, nicht als konjunkturelles Phänomen verstanden und beherzigt werden. Insofern ist die Diskussion spannend. Ebenso spannend ist die Frage, ob sie die Verbändewelt erreicht.

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