Das Blog zur Interessensbildung, Meinungsbildung Interessenvertretung von Verbänden

5 Fragen an Michael Hengesbach zur Gründung des Bundesverbandes der Arbeitsrechtler in Unternehmen

Michael-Hengesbach-BVAUMichael Hengesbach ist Director HR bei TuiFly und Mitglied des ersten Präsidiums des Ende April in Heidelberg gegründeten Bundesverbandes der Arbeitsrechtler in Unternehmen (BVAU).

V//T: Der BVAU beschreibt sich als unabhängige, bundesweit tätige, branchenübergreifende und personenbezogene Interessenvereinigung für Arbeitsrechtler in Unternehmen. Warum braucht es eine Interessenvertretung für Arbeitsrechtler in Deutschland?

MH: Wir wollen ein praxistaugliches Arbeitsrecht gegenüber Politik und Gesetzgebung einfordern, der arbeitsrechtlichen Praxis eine Stimme verleihen. Der BVAU ist zudem etwas Neues, etwas, nachdem die bisherigen Mitglieder lange gesucht haben: Erfahrungsaustausch auf hohem Niveau sowohl was Arbeitsrecht als auch Umsetzung in der betrieblichen Praxis betrifft. Es sind ausschließlich arbeitsrechtlich – in Theorie aber vor allem auch Praxis – enorm erfahrene Kollegen, die zumeist im Personalbereich angesiedelt sind. Und das branchenübergreifend.

V//T: Warum organisieren sie sich in einem neuen Verband? Wären die Ziele nicht unter dem organisatorischen Dach des Bundesverbandes der Unternehmensjuristen zu realisieren gewesen?

MH: Der BUJ ist unabhängig vom Tätigkeitsbereich und hat eine ausschließlich standesrechtliche Zielrichtung. Das ist erst einmal zu begrüßen. Eine Vertretung speziell arbeitsrechtlicher Interessen will und wird der BUJ nicht vornehmen; das regelt auch nicht dessen Satzung. Weil es eben noch keine zentrale, starke Gemeinschaft in Form eines Verbandes gab, die das spezielle und gleichwohl wichtige Themenfeld Arbeitsrecht besetzt, war die Gründung mehr als überfällig.

V//T: Bildet ein eigener Verband gegebenenfalls auch einen idealeren Rahmen, die öffentliche Aufmerksamkeit auf ihre Anliegen und Ziele zu richten? Sind die Möglichkeiten Ihrer Ansicht nach mit einer Verbandsstruktur höher zu bewerten, eine Profilierung der Arbeitsrechtler und des Arbeitsrecht in Deutschland zu erlangen?

MH: Natürlich. Schon die Gründung des BVAU hat zu enormer Aufmerksamkeit in der Presse und Öffentlichkeit geführt, aber auch interessierte Kolleginnen und Kollegen zum Mitgliedsantrag veranlasst. Und je größer die „Gemeinschaft“, umso lauter die Stimme.

V//T: Der BVAU ist in Heidelberg gegründet worden und hat dort auch seinen vereinsrechtlichen Sitz. Gehört ein Bundesverband, der von der Politik als Gesprächspartner wahrgenommen werden will, nicht in der Hauptstadt?

MH: Nicht zwingend, zumal der vereinsrechtliche Sitz nichts mit operativen Geschäftsstellen zu tun hat. Beispielsweise sitzt unsere erste Geschäftsstelle in München. Auch sind wir nicht „richtungspolitisch“ tätig; das würde eventuell eine Präsenz in Berlin notwendig machen. Zudem sind wir überzeugt davon, dass die breite Öffentlichkeit – und somit auch die Politik – uns hört und hören will, egal von wo wir unsere Stimme erheben.

V//T Die Kraft der Interessenvertretung eines Verbandes gewinnt nicht zuletzt auch durch die Anzahl der vertretenen Mitglieder. Welche Ziele verfolgt der BVAU hier in den kommenden Jahren?

MH: Wir gehen nach dem enormen Zulauf in den ersten Tagen nach der Gründung inzwischen davon aus, dass wir 300 bis 400 Mitglieder am Ende der ersten zwölf Monate im BVAU aufgenommen haben. Mittel- und langfristig ist sicherlich eine noch höhere Mitgliederzahl möglich. Immerhin ist das Arbeitsrecht eines der zentralen Themen in den Unternehmen, dem sich eine oder mehrere Personen annehmen müssen. Und Unternehmen haben wir bekanntlich eine Menge in Deutschland.

Die erste Mitgliederversammlung nach der Gründung Anfang November wird beispielsweise ein erster Gradmesser dafür sein, wie viele Mitglieder sich auch aktiv in die Verbandsarbeit einbringen und in welcher Form. Gleiches gilt für Regionalgruppen, die wir beginnend ab Sommer initiieren werden – dank sehr engagierter Kolleginnen und Kollegen.

V//T: Vielen Dank und viel Erfolg, Herr Hengesbach!

Weitere Informationen über den BVAU

Tags: , , , , ,

Kommentar verfassen