Das Blog zur Interessensbildung, Meinungsbildung Interessenvertretung von Verbänden

Archiv März, 2015

Die Software-Leiche – Serie über das Gelingen von Veränderungsprozessen (2)

Mittwoch, 18. März 2015

Covered dead body in the morgueEin verlässlicher Weg Veränderungsvorhaben von Anfang an in Turbulenzen zu steuern ist unsere Lösungsfixierung. Das Problem ist noch gar nicht richtig verstanden, geschweige denn mit der Mitarbeiterschaft von allen Seiten beleuchtet, und schwupp – ziehen wir die Lösung aus dem Köcher.

Dann geht’s los, das Projekt „Lösungsumsetzung“ startet und wird mit Sicherheit mehr Zeit beanspruchen und teuer werden als eingeplant, gegebenenfalls sogar scheitern: Die Lösung oder deren Umsetzung wird daran kranken, dass vorab nicht ausreichend Zeit zur Verfügung stand, Zusammenhänge richtig zu verstehen und umfänglich Erfahrungen und Sichtweisen von allen Beteiligten – gegebenenfalls auch außerhalb der Organisation – abzurufen.

Wer kennt nicht eine Software-Leiche aus dem Verbändekeller, die nach ihrer mehr oder weniger teuren Anschaffung nicht oder kaum zur Anwendung kommt, weil sie die Arbeitsabläufe doch nicht wie gewünscht unterstützt?

Bleiben Sie von Anfang an neugierig und stellen Sie Fragen: Worin liegt das identifizierte Problem genau? Was ist der oder sind die Auslöser und warum? Was soll exakt erreicht werden? Was darf aber auch nicht passieren? Welche wichtigen Schnittstellen sind zu beachten? Was genau ist im Verband anders, wenn das Vorhaben ein Erfolg ist?

Das sind nur einige Fragen, die in Ruhe mit allen Beteiligten zu diskutieren sind. Investieren Sie in die vollständige Beschreibung der Ist-Situation, damit Sie bei der Umsetzung nicht dreimal so viel Zeit, Geld und Nerven zu Kurskorrekturen aufwenden müssen.

 

Geplantes Verbandsstrafgesetzbuch will Pönalen für Verbände

Dienstag, 10. März 2015

JustizIn der aktuellen Ausgabe des Verbändereport (02/2015) berichtet Rechtsanwalt Ralf Wickert über die Gesetzesinitiative von Nordrhein-Westfalen „zur Einführung der strafrechtlichen Verantwortlichkeit von Unternehmen und sonstigen Verbänden“.

Hintergrund ist das Bestreben, dass nicht nur mehr natürliche Personen, sondern nun auch Organisationen wie Idealvereine, Stiftungen oder Servicegesellschaften für eine „Verbandsstraftat“ belangt werden sollen.

Hintergrund sei, dass Organisationen über eine „Compliance-Organisation“ verstärkt zu „guter Unternehmensführung“ angehalten werden sollen.

Die möglichen Sanktionen sollen Geldstrafen, die öffentliche Bekanntmachung einer Verurteilung, der Ausschluss von Subventionen, der Ausschluss von der Vergabe öffentlicher Aufträge bis hin zur Verbandsauflösung sein.

Hier geht’s zum Gesetzestext.

 

Fisch oder Fleisch? – Serie über das Gelingen von Veränderungsprozessen in Verbänden (1)

Freitag, 6. März 2015

Raw beef steak with rosemary and garlic

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sie gehen in ein Restaurant, man weist Ihnen einen Platz zu und nach kurzer Zeit bekommen Sie ein Essen serviert, ohne dass Sie bestellt haben.

Die Bedienung beantwortet Ihren fragenden Blick mit dem Hinweis, dass es sich um ein vorzügliches Menü handele, dass von vielen Gästen gern bestellt und regelmäßig gelobt werde.

Wie werden sie reagieren?

Sie werden das Essen ablehnen, da sie zunächst in die Karte schauen wollen. Sie werden das Essen ablehnen, selbst wenn es verlockend aussieht und wunderbar duftet, selbst wenn Sie genau das Gericht tatsächlich bestellt hätten. Denn Sie sind nicht gefragt worden was Sie wollen; Sie hatten keine Wahl.

Normalerweise orientieren Sie sich mit Hilfe der Karte des Restaurants. Und während Sie bestellen, werden noch besondere Wünsche oder Vorlieben berücksichtigt: keine Pilze, dafür Bohnen, und das Fleisch medium, nicht durch und auch nicht englisch. Schließlich wird Ihre Sorge ausgeräumt, dass es sich nicht um Biofleisch handeln könne.

Genauso wenig wie ein Restaurantmanager seine Gäste ungefragt mit Essen versorgt, sollten Sie als Verbands-Manager Ihrer Mitarbeiterschaft fertige Lösungen servieren, die nicht bestellt wurden. Die Mitarbeiter werden die Lösung ablehnen, weil sie nicht zu Problemlösung befragt wurden und keine Wünsche formulieren und Sorgen einbringen konnten. Sie werden die Lösung nicht unterstützen, ggf. sogar passiv oder aktiv bekämpfen, selbst wenn Sie unter objektiven Maßstäben die ideale Lösung wäre – was eben gerade durch die fehlende Einbindung der Kollegen ohnehin zu bezweifeln ist.

Wie sich wirklich etwas ändert – Veränderungen und Reorganisation gestalten. Zum Serienstart

Montag, 2. März 2015

Fear of crisis with businessman like an ostrichVor einem knappen Jahr habe ich in einem kurzen Post die mir damals besonders häufig gestellte Frage „Warum sich nichts ändert“ zum Thema gemacht.

Die Frage bezog sich auf fehlgeschlagene Reorganisations- oder Entwicklungsvorhaben, deren Ursachen die Fragesteller partout nicht ermitteln konnten: die positiven Effekte der Vorhaben lagen doch scheinbar auf der Hand; teilweise ging es gar um Vorhaben, die ausdrücklich bekannte und beanstandete Missstände in der Organisation abstellen sollten.

Trotzdem misslang das Vorhaben, benötigte erheblich länger als geplant, kostete spürbar mehr als ursprünglich berechnet, wurde von den Kolleginnen und Kollegen bereits während der Projektphase abgelehnt oder nach der Umsetzung bzw. Implementierung nicht angewandt.

Natürlich sind die Gründe für das Scheitern einzelner Vorhaben immer auch individuell zu betrachten. Beim Managen von Veränderungen mangelt es jedoch regelmäßig an einem übergeordneten Verständnis: