Das Blog zur Interessensbildung, Meinungsbildung Interessenvertretung von Verbänden

Archiv Juli, 2013

Verbände ohne besonderen Einfluss bei der EU-Entscheidungsfindung

Montag, 29. Juli 2013

Rechtssystem EuropaEurActiv.de und die Europäische Bewegung Deutschland (EBD) haben 580 Stakeholder von deutschen Unternehmen und Verbänden nach den neuesten Trends auf europäischer Ebene befragt.

Die Umfrage soll so Anregungen für die Ausrichtung der Kommunikationsstrategien geben und entsprechende Potenziale aufzeigen.

Hier einige zentrale Erkenntnisse:

  • In den Bereichen Finanz- und Fiskalpolitik (83,2%), Energie, Klima, Umweld (ca. 72%) und Wirtschafts- und Wettbewerbspolitik (60%) rechnen die Befragten mit einem besonders wachsenden Einfluss der EU, gefolgt von Gesundheit und Verbraucherschutz mit nicht einmal 38%,
  • erstaunliche über 52% sind der Meinung, dass Verbände und Gewerkschaften wenig oder sehr wenig Einfluss auf die Entscheidungsfindung auf europäischer Ebene haben,
  • und gut 65% sind der Meinung, dass sich die bescheidene Bedeutung von Verbänden und Gewerkschaften in den letzten fünf Jahren nicht verändert hat, während etwa 24 % davon ausgehen, dass sie einen Bedeutungsverlust bzw. einen starken Bedeutungsverlust hinnehmen mussten,
  • Europapolitik wird nicht nur in Brüssel, sondern auch in den einzelnen Mitgliedstaaten gemacht: für etwa 63% der Befragten sind die Bundesministerien und für ca. 52,5% der Bundestag von großer bzw. sehr großer Bedeutung für ihre europapolitische Arbeit,
  • etwa jeder Zweite hält den Stellenwert der Europawahlen für die eigene Organisation für groß bzw. sehr groß,
  • die Hälfte der Befragten haben eine eigene Europaabteilung im Unternehmen oder Verband, 49% haben sogar eine eigene Repräsentanz in Brüssel,
  • knapp ein Viertel der Befragten geben an, bereits mehr auf europäischer als auf nationaler Ebene zu kommunizieren.

Hier gibt es die Zusammenfassung der Ergebnisse.

 

 

5 Fragen an Georg Hötte zur Fusion der Binnenschifffahrtsverbände AdB und BDB

Montag, 22. Juli 2013

Hoette_miniDer Arbeitgeberverband der deutschen Binnenschifffahrt (AdB) und der Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB) sind unter dem Dach des BDB fusioniert. Die Verschmelzung wurde in jeweils einstimmigen Beschlüssen der Mitglieder auf Versammlungen am 28. Mai 2013 in Duisburg besiegelt.

Aktuell ist der BDB wegen einer Auseinandersetzung mit ver.di in den Medien. Die Gewerkschaft bestreikt diese Woche erneut Schleusen, zum Schaden für die Binnenschifffahrt, so der BDB.

Georg Hötte, Geschäftsführer der in Duisburg ansässigen Reederei  Rhenus PartnerShip GmbH & Co KG, ist seit dem 11. Januar 2012 Präsident des alten BDB und seit 28. Mai 2013 Präsident des nunmehr neuen Bundesverbandes der Deutschen Binnenschifffahrt. In beiden Organisationen war er zuvor viele Jahre im Präsidium bzw. Vorstand aktiv.

V//T: Herr Hötte, Sie haben die Fusion damit begründet, dass sich bereits bestehende Synergieeffekte noch effektiver nutzen ließen und dies zugleich ein Beitrag zur Bereinigung der Verbändelandschaft sei. Das klingt ein wenig nach der ja durchaus nachvollziehbaren Situation, dass es nicht weiter wirtschaftlich war, zwei Verbände für eine Branche zur organisieren.

Warum gab es für die deutsche Binnenschifffahrt in der Vergangenheit zwei Verbände und warum ist diese Konstellation nun tatsächlich nicht weiter aufrecht zu erhalten?

Warum deutsche Politiker Lobbyisten nicht mehr Lobbyisten nennen

Montag, 15. Juli 2013

Geld euro-76015_640Die langlebige Diskussion um Transparenz und ethische Standards im Lobbying hat seine Spuren hinterlassen: Lobbying hat in Deutschland mehr und mehr einen schlechten Ruf.

Die Vorstellungen reichen von Hinterbänklern, die bedenkenlos die einseitige Expertise gewiefter Lobbyisten nachplaudern, über abgedunkelte Hinterzimmer, in denen sich Politiker mit einem 5-Gänge-Menü und drei Flaschen Chateauneuf du Pape von einem Vertreter widerlicher Industrieinteressen einkaufen lassen, bis hin zur Crème de la Crème politischer Entscheidungsträger, die sich im Herbst ihrer Laufbahn durch Absprachen wider das Gemeinwohl lukrative Anschlussbeschäftigungen sichern.

Abgeordnete zwischen Interessen-Karaoke und Anschaffen gehen.

Die Politik tut herzlich wenig, das öffentliche Bild zu korrigieren. Allerdings beginnen deutsche Politiker offenbar, sich auf ihre Art von diesen Bildern zu distanzieren:

Warum 70-80% aller Veränderungsprozesse fehlschlagen

Mittwoch, 3. Juli 2013

AkzeptanzkurveWer bei Amazon nach „Change Management“ sucht, wird aktuell mit 69.096 Treffern belohnt. Das Wissen um Veränderungsvorhaben ist offensichtlich beachtlich.

Aber wird es auch angewendet?

Nach wie vor werden zwischen 70 und 80 Prozent der Veränderungsprozesse als misslungen bewertet. Für Projektmanager wie mich völlig faszinierend.

Die Ergebnisse einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung Mutaree im Auftrag von Handelsblatt-Online (dort weitere Ergebnisse) stelle ich in Auszügen zur Verfügung. Geantwortet haben zwischen Januar und April 2013 280 leitende Mitarbeiter überwiegend aus den Bereichen Human Ressurces und Unterehmensentwicklung aus Unternehmen mit in der Regel über 1.000 Mitarbeitern:

Was sind die Voraussetzungen, damit Change-Prozesse erfolgreich verlaufen?

  1. Beteiligung der Mitarbeiter (ca.70%)
  2. Professionelles Projektmanagement (68%)
  3. Motivationskraft der Führungskräfte (60%)
  4. Übernahme von Verantwortung durch die Linie (knapp 60%)
  5. Konfliktfähigkeit der Mitarbeiter (knapp 50%)

Was sind die Gründe für das Scheitern von Veränderungsprozessen?

  1. Schlechte Kommunikation (fast 80%)
  2. Unklare Verantwortlichkeiten (55%)
  3. Schlechtes Projektmanagement (52%)
  4. Frustration aus vergangenen Veränderungsprozessen (47%)
  5. Mangelnde Unterstützung aus Vorstand (44%)

(Mangelnde Einsicht für Veränderungen mit 38% auf Platz 7, Verlust von Einfluss und Macht mit knapp 20% auf Platz 12)

Welche Skills der Führungskräfte sind in Change-Prozessen entscheidend?

  1. Ehrlichkeit (65%)
  2. Überzeugungskraft (57%)
  3. Motivationskraft (52%)
  4. Sensibilität (51%)
  5. Problemlösungsfähigkeit (48%)

Wofür fürchten sich die Mitarbeiter bei Change-Prozessen am meisten?

  1. Statusverlust (63%)
  2. Jobverlust (62%)
  3. Mehr Arbeit (56%)
  4. Höhere Anforderungen (43%)
  5. Konflikte (36%)

Wer trägt die Verantwortung, wenn ein Change-Prozess scheitert?

  1. Vorstand (70%)
  2. Projektmanager (53%)
  3. Linienverantwortlicher (45%)
  4. Mitarbeiter (20%)
  5. Gesellschafter (15%)

(An 6. Stelle Arbeitnehmervertreter und Gewerkschaften mit 10%)

Nach wie vor bin ich der Meinung, dass Change Management keine eigene Disziplin darstellt, ein adäquates Projektmanagement allerdings ohne Change Management in keiner Weise auskommt.

Welche Erfahrungen zum Gelingen oder Scheitern von Veränderungsvorhaben gibt es bei Ihnen in Verbänden und Organisationen? Ich freue mich auf Kommentare.