Das Blog zur Interessensbildung, Meinungsbildung Interessenvertretung von Verbänden

Archiv Dezember, 2012

Vor und hinter der Bühne – Die wunderliche Wahl zum Vorsitzenden des Deutschen Beamtenbundes

Freitag, 14. Dezember 2012

Stellen wir uns folgende Situation vor: Der Vorsitzende einer gewichtigen Interessenvertretung steht für eine weitere Amtszeit nicht mehr zur Verfügung. Und er kündigt dies acht Monate vor den turnusmäßigen Wahlen an.

In der Folge erklären zwei Personen aus der Organisation ihre Bereitschaft zur Kandidatur.

Zwei Menschen mit unterschiedlichen Persönlichkeiten, Philosophien und Positionen im Wettstreit um ein renommiertes Amt. Knapp 900 Delegierte können sich mehrere Monate ein Bild machen, Ansichten und Argumente wägen, und jeder für sich am Wahltag die für die Zukunft der Organisation beste Entscheidung treffen.

Wie klingt das? „Vorbildlich und demokratisch“ träumen die einen. „Naiv und realitätsfern“ wissen die anderen.

Studie zur Social Media-Nutzung in Verbänden

Freitag, 7. Dezember 2012

Berichte, Fachartikel, Posts oder gar Studien zum Kommunikationsverhalten von Individuen oder Organisationen sind seit einigen Jahren ohne die Berücksichtigung der sozialen Medien mehr als unvollständig.

Im Fokus von Untersuchungen stehen zumeist Unternehmen, Verbände sind leider viel zu selten Gegenstand einer gesonderten Betrachtung.

Vergangene Woche nun berichteten Presseportale über eine Studie zum Nutzerverhalten von sozialen Medien durch Verbände aus den Bereichen Medien und Kommunikation, Tourismus, Food und Beverage, Textil, Kosmetik, Handel und Kinder- und Familiengüter.

Für die Studie standen 43 Verbände zur Verfügung. Sie wurden laut Pressemitteilung zu ihrer Nutzung von Social Media befragt sowie ihre Aktivitäten „unter die Lupe genommen“.

Ergebnisse der Studie sind in nebenstehender Grafik zusammengefasst.

Zusätzlich enthält die Pressemeldung die Information, dass von der Webseite „vieler Verbände“ nicht auf ihre eigenen Social Media Kanäle geleitet wird.

Die Grafik wie auch die Informationen beruhen ausschließlich auf der zugrundliegenden PM. Nach Aussage der Herausgeber ist eine Veröffentlichung der Studie leider nicht vorgesehen.

Sie hätte vielleicht Auskunft daüber gegeben, wie sich „nutzen“ genau definiert. Betreiben die Verbände über die genannten Kanäle ein aktives Monitoring? Haben die Verbände jeweils einen eigenen Account? Wird dieser in jedem Fall aktiv genutzt? Die Nutzung eines eigenen Youtube-Kanals von 54 Prozent der teilnehmenden Verbände erscheint überraschend hoch.

Die Herausgeber resümieren, dass die Studie aufzeige,
– wie Verbände im Social Web aufgestellt sind,
– Social Media in den Verbänden „angekommen sei“
– bei der Nutzung „viele Ziele angestrebt“ werden,
– und noch Potenzial bestehe, da nur wenig Zeit in die Aktivitäten investiert werde.

Diskutieren lässt sich all dies an dieser Stelle nicht. Gegebenenfalls ist beispielsweise die dargestellte Nutzungszeit pro Kanal und Woche adäquat, sofern sie sich auf das Einspielen eigener Beiträge bezieht und nicht auch die Zeitressourcen für das Monitoring meint.

Vielleicht finden die Herausgeber doch noch einen Weg, die Ergebnisse detaillierter vorzustellen.

 

Lobbying: Über das Gemeinwohl und die Holschuld der Politik (4)

Dienstag, 4. Dezember 2012

Update: Der vierteilige Beitrag ist noch in 2012 im Verbändereport in der Ausgabe 09/2012 veröffentlicht worden.

Kleine Artikelserie in vier Teilen aus Anlass der aktuellen Publikation „Schluss mit Lobbyismus!“ der taz-Chefredakteurin Ines Pohl – Teil 4.

Lobbying erfordert Zugang zu politischen Entscheidungsträgern

Lobbying ist der organisierte Austausch von Informationen. Interessenvertreter erhalten Einblick in den aktuellen Diskussions- und Abstimmungsprozess von Politik und Verwaltung, während den politischen Entscheidungsträgern Spezialwissen vermittelt wird.

Ein Wissen, das sie zur Entscheidungsfindung dringend benötigen, um die Konsequenzen von Entscheidungen oder dem Ausbleiben von Entscheidungen möglichst umfänglich zu verstehen. Und ein Wissen, das ihnen ohne Lobbying nicht zur Verfügung stünde.

Man muss keine Beispiele aus der Finanzmarktregulierung oder der Energiewende bemühen, um nachvollziehen zu können, dass die Komplexität der Sachverhalte selbst Fachpolitiker regelmäßig  an den Rand der inhaltlichen Überforderung bringt, wenn nicht darüber hinaus.

Nun geht es beim Lobbying mal transparent zu, mal nicht. Mal schreiben Lobbyisten oder Kanzleien an Gesetzesvorschlägen mit, mal nicht. Einige Interessengruppen bombardieren Abgeordnete mit Mails, Telefonaten und dringenden Gesprächswünschen, andere nicht. Einige Verbände werben Politiker als Hauptgeschäftsführer oder Berater für ihre Geschäftsstelle ab, andere wären froh, überhaupt eine hauptamtlich geführte Geschäftsstelle finanziell stemmen zu können.

Sind das wirklich Praktiken, die unsere Demokratie aus dem Gleichgewicht bringen?