Das Blog zur Interessensbildung, Meinungsbildung Interessenvertretung von Verbänden

Archiv Oktober, 2011

Wie Kommunikationsagenturen Lobbystrategien und Kampagnen erstellen

Sonntag, 30. Oktober 2011

Die Wochenendausgabe der taz vom 29. und 30. Oktober 2011 gibt einen spannenden und beispielhaften Einblick in die Arbeit einer Kommunikationsagentur für ihren Auftraggeber, hier das Deutsche Atomforum, einer Lobbyplattform der vier Kernkraftwerks-Betreiber EnBW, Eon, RWE und Vattenfall.

Die Veröffentlichung von zwei Präsentationspapieren der Agentur ist nicht etwa deshalb interessant, weil hier anstößige Strategien für ein gesellschaftlich heikles Thema zu entdecken sind, auch wenn man hie und da die Nasen rümpft. Sie ist vielmehr aufschlussreich, weil sie ganz im Gegenteil eine professionelle und handwerklich solide Kommunikationsstrategie mit ihren Einzelmaßnahmen offenlegt.

Die Dokumente zeigen somit umfassend, wie Auftraggeber mit Unterstützung von mit Agenturen ihren Einfluss auf Medien, Politik und Öffentlichkeit erhöhen wollen.

Verbände, unter die Piraten!

Freitag, 21. Oktober 2011


Viele Verbände, genauer deren haupt- und ehrenamtliche Führungskräfte, tun sich nach wie vor schwer, Dimensionen und Relevanz der Sozialen Medien als Diskussions- und Informationskanäle nachzuvollziehen. Entsprechend eingeschränkt bleiben so gegebenenfalls die Möglichkeiten der Informationsgewinnung, der internen Abstimmung sowie der erfolgreichen externen Interessenvertretung.

Darüber, wie ein beeindruckender Lernprozess über die Dimensionen des Netzes und seiner praktischen Möglichkeiten vonstattengehen kann, hat der parlamentarische Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagesfraktion, Peter Altmaier, in zwei Beiträgen in der Rubrik „Digitales Denken“ von faz.net Auskunft gegeben.

Unter „Ich beginne zu begreifen“ und „Mein neues Leben unter Piraten“ hat Altmaier seinen Erkenntnisgewinn und seine Reflektion darüber beschrieben. An dieser Stelle zitiert Verbände//Talk einige besonders lesenswerte Passagen:

Aus „Ich beginne zu begreifen“

Happy Birthday! Immer mehr Verbände erblicken das Licht der Welt

Donnerstag, 20. Oktober 2011

Was haben der Bundesverband Brandschutz-Fachbetriebe, die Bundesvereinigung Ökologischer Landbau, der Verband für kinderreiche Familien und der Bundesverband Lokal-TV gemeinsam? Sie haben in den letzten Wochen das vereinsrechtliche Licht der Welt erblickt.

Die Verbände befinden sich damit in bester Gesellschaft. Denn das Bedürfnis, zur Vertretung besonderer Interessen ihrer Mitglieder Verbände zu gründen, ist seit Jahren ungebrochen. Die demografische Entwicklung in der Verbändewelt bereitet so gesehen keine Sorgen.

Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Verbandsmanagement steigt die Anzahl der Verbände in Deutschland seit 20 Jahren stetig: im Jahresdurchschnitt etwa um 5 Prozent. In absoluten Zahlen betrachtet ist die Zahl der Verbände von gut 10.000 1992 auf über 14.000 in 2011 gestiegen.

„Lieber klarer sprechen, dafür weniger intelligent“ – Ein kleiner Rückblick auf die KAS-Konferenz für Politische Kommunikation

Mittwoch, 12. Oktober 2011

Was für ein Titel: Internationale Konferenz für Politische Kommunikation, wow. Mit dem Titel hat die Adenauer-Stiftung bereits zum 9. Mal ein thematisch schier unüberblickbares Feld angepeilt.

Und da fällt das resümierende Nörgeln leicht, wenn man es denn möchte. Denn eine 1,5tägige Konferenz kann die Erwartungen eigentlich grundsätzlich nicht zufriedenstellen erfüllen. Dazu kein Versuch, inhaltliche Klammern herauszuarbeiten (Wahen, Kampagnen) bzw. übergreifende Inhalte oder Positionen vergleichend zusammenzuführen oder thematische Blöcke zu benennen (die „Medizin für den Patienten Volkspartei“ bzw. ein Bezug zum KAS-Blogthema Volkspartei war es trotz Ansätzen eher nicht).

Und die vielversprechende Diskussionsrunde zur „Politikvermittlung als Herausforderung“ blieb im Wesentlichen in der mehrfach festgestellten Herausforderung der Energiewende stecken, anstatt die Meta-Ebene des Themas zu erklimmen.

Was spannend war?

Politik ist kein verlässlicher Partner (mehr), sagen Public Affairs-Verantwortliche

Dienstag, 11. Oktober 2011

Die MSLGermany hat Ende September 2011 eine Umfrage unter Public-Affairs-Verantwortlichen von Unternehmen und Verbänden in Deutschland veröffentlicht. Die vollständige Studie bietet MSL als pdf zum Download.

Die Studie enthält etwa 20 Fragen und die entsprechenden Antworten von 50 Teilnehmern. Einige recht interessante Fragestellungen rund um die Interessenvertretung sind in der Tat zu finden. Diese sind an dieser Stelle ohne Kommentierung nachzulesen:

Deutsche Interessenvertreter und Lobbying in der EU

Donnerstag, 6. Oktober 2011

Die Vertretung von politischen und wirtschaftlichen Interessen in der Europäischen Union ist für zahlreiche Organisationen, Institutionen und Unternehmen professionell gestalteter Alltag. Denn „ein guter Teil der deutschen Innen- und Wirtschaftpolitik wird … in Brüssel gemacht.“

Kein Wunder also, dass sich in Brüssel Staaten, Bundesländer, Regionen, Unternehmen, Verbände, Think Tanks, Stiftungen, Agenturen, Kanzleien und freie Lobbyisten auf den Füßen stehen, um in ihrem oder fremdem Auftrag Interessen wahrzunehmen.

Die Ständige Vertretung der Bundesrepublik Deutschland bei der Europäischen Union verschafft mit diesem pdf-Dokument einen detaillierten Überblick über Institutionen, Ansprechpartnern und Kontaktdaten von Interessenvertretern deutscher Belange.

Verbände am Rande des Lobbyings – Der Deutsche Hanf Verband (DHV)

Montag, 3. Oktober 2011

Die Welt der Interessen vertretenden Verbände ist traditionsreich, seriös, gewichtig und damit per se eine ernste Angelegenheit. Dass alle, aber wirklich alle denkbaren Interessen in Deutschland in Verbänden organisiert sind, ist für die meisten Betrachter bewiesene Gewissheit.

Der Verbände//Talk stellt in loser Folge Verbände vor, die Belange vertreten, die nicht unbedingt an vorderster Front der Interessenvertretung zu vermuten sind und deren Lobbying uns nicht täglich begegnet; Verbände, die uns die gesamt Breite der Interessenvertretung in Deutschland vor Augen führen.

„Der Deutsche Hanf Verband: Deine professionelle Stimme für Cannabislegalisierung“, so der Opener auf der Website des Verbandes. Verbandes? Weit gefehlt, wie folgende Passagen aus der Selbstdarstellung des DHV belegen, die gleichzeitig interessante Ansichten zum Lobbying bieten:

„Die Gründung des DHV ging von der Agentur Sowjet (Hanf Journal) aus. … Im Oktober 2004 hat sich die Agentur Sowjet entschlossen, den DHV auszugründen, da er nun in der Lage ist, selbständig zu funktionieren.

Neuer Inhaber des DHV ist der bisherige Geschäftsführer Georg Wurth. Er versichert nun mit seinem guten Namen, dass der DHV nicht der persönlichen Bereicherung dient, sondern dazu, in der Hanfpolitik vorwärts zu kommen. Das politische System in Deutschland ist weniger durch direkte Demokratie als durch den Einfluss verschiedener Lobbyisten geprägt. Der DHV ist die logische Konsequenz aus dieser Erkenntnis.

Der Deutsche Hanf Verband ist kein Verband im klassischen Sinne [Hervorhebung Verbände//Talk], sondern eine Firma, die im Auftrag ihrer „Mitglieder“ und Sponsoren Lobbyarbeit für eine bessere Cannabispolitik betreibt, ohne von „Vereinsmeierei“ aufgerieben zu werden. Wir vertreten viele Firmen der deutschen Hanfbranche und zusätzlich private Sponsoren. Diese Art der professionellen Interessenvertretung von Hanfliebhabern ist einmalig in Deutschland.“

Das glaubt man sofort!

„Eines der wichtigsten Ziele des DHV ist die Legalisierung von Hanfprodukten als Genussmittel unter verbraucherfreundlichen Bedingungen. Dieses Hauptziel ist selbstverständlich nicht auf einen Schlag erreichbar. Deshalb kämpfen wir auch gegen alle Formen der alltäglichen Diskriminierung von Hanfkonsumenten, z.B. im Strafrecht, im Führerscheinrecht, am Arbeitsplatz, bei Cannabis als Medizin oder beim privaten Anbau einiger Hanfpflanzen zum Eigenkonsum. Firmen, die im Umfeld von Cannabiskonsumenten legale Produkte anbieten, dürfen dabei nicht behindert werden.“

Toll! Und hier der Imagefilm – ohne Hinweis auf die eigentliche Rechtsform des „Verbandes“. Astroturf für die Cannabislegalisierung: