Das Blog zur Interessensbildung, Meinungsbildung Interessenvertretung von Verbänden

Archiv Juli, 2011

Corporate Governance – Kein Thema (mehr) für Verbände? (Teil II)

Montag, 25. Juli 2011

Der erste Teil dieses Beitrags hat aufgezeigt, dass die akademisch recht fulminant geführte Diskussion um Corporate Governance-Regelungen für NGOs und Verbände („Nonprofit Governance“) bis auf wenige Ausnahmen ohne Resonanz bei den Organisationen geblieben ist.

Das ist zunächst einmal überraschend, denn es gibt durchaus sensible Themen, die (die Diskussion über) Regelungen zur guten Verbandsführung sinnvoll erscheinen lassen: die Organisation von Steuerungs- und Kontrollaufgaben in Verbänden zwischen Haupt- und Ehrenamt, der Professionalisierungsdruck, und die systematische Berücksichtigung (gestiegener) Anforderungen von Stakeholdern sind solche Themen.

Gleichzeitig hätte sich für Verbände die Möglichkeit eröffnet, Werte, Selbstverständnis und ihre gesellschaftliche Rolle – insbesondere im Lichte der Lobbyismus-Diskussion der vergangenen Jahre – aktiv, selbstbewusst und transparent darzulegen.

Dazu ist es jedoch nicht gekommen. Die Corporate Governance-Diskussion in Verbänden ist nicht gescheitert, sie fand einfach nicht statt, weder in Haupt- oder Dachorganisationen für die eigenen Mitgliederstrukturen, noch in einer Verbandsübergreifenden Struktur, ähnlich wie in der Wirtschaft.

Die Gründe liegen wohl darin, dass es im Vergleich zur Unternehmenswelt an zwei Dingen fehlte: an wahrgenommenem äußerem Druck (ausländische Investoren) sowie an Meinungsführern und Strukturen (Regierungskommission), die eine solche Diskussion, Ergebnisse und ihre einheitliche Anwendung ermöglicht hätten.

Corporate Governance – Kein Thema (mehr) für Verbände? (Teil I)

Donnerstag, 21. Juli 2011

Kritische Mitglieder, zunehmender Wettbewerb durch Unternehmensrepräsentanzen, Agenturen und Kanzleien, finanzielle Zurückhaltung der öffentlichen Hände, die duale Struktur von Haupt- und Ehrenamt sowie mindestens seit einer Dekade spürbar steigende Anforderungen an das Management – diese Rahmenbedingungen sprechen für eine Übernahme, zumindest aber eine Diskusssion der Corporate Governance-Idee in Verbänden.

Allein die Organisationen sehen das offensichtlich anders, denn nur wenige Verbände haben Corporate Governance-Leitlinien eingeführt. Warum die Zurückhaltung? Und besteht sie zu Recht?

Konferenz Xinnovations 2011 – Erste-Hand-Informationen über Verbands relevante Online-Werkzeuge

Montag, 18. Juli 2011

Verbände richten ihren Blick zunehmend auf die Vorteile von Online-Werkzeugen zur Unterstützung ihrer Arbeit. Von der Darstellung der Arbeitsabläufe, der Einrichtung zentraler Adress- und Wissensdatenbanken, der Durchführung von Veranstaltungen und Gremiensitzungen bis hin zur Organisation typischer Aufgaben und Services wie Information und Beratung, Weiterbildung und Lobbying können Arbeitsabläufe optimiert und die interne wie externe Kommunikation zielgruppengerecht digital unterstützt werden.

Die Xinnovations, eine Konferenz für netzbasierte Informationssysteme, greift diese Entwicklung auf und bietet Verbänden in diesem Jahr ein eigenes Forum mit dem Titel „Collaboration und Knowledge“. Ziel des Forums ist es, für konkrete Aufgaben, Herausforderungen und Angebote von Verbänden zu den Themen Prozess- und Wissensmanagement sowie Fortbildung und Seminargestaltung digitale Lösungen vorzustellen.

Die Teilnehmer erhalten ferner die Möglichkeit, die Best-Practise-Lösungen an Thementischen für ihre konkreten Bedarfe und Anforderungen zu testen. Gemeinsam mit Experten der Dienstleister können individuelle Anwendungsfälle durchgespielt und der konkrete Nutzen für die eigene Organisation erfahrbar gemacht werden. Aus den beiden Themenfeldern werden im Rahmen des Forums folgende Lösungsbereiche adressiert:

5 Fragen an … die Verbändeberaterin Dr. Sabina Fleitmann zu Mitarbeiterprofilen und Recruiting in Verbänden

Montag, 11. Juli 2011

Frau Dr. Sabina Fleitmann ist selbständige Organisationsberaterin für Verbände. Sie unterstützt bei der strategischen Verbandsentwicklung und beim Gremien- und Personalmanagement und bietet auch Seminare und Workshops zu diesen Themen an. Das Personalmanagement in Verbänden kennt sie auch aus eigener langjähriger Tätigkeit als Geschäftsführerin in einem Berufs-/Personenverband.

V//T: Frau Dr. Fleitmann, Personalmanagement ist für Verbände nicht immer ein Thema mit oberster Priorität, vielfach stehen – auch angesichts ausgelasteter Kapazitäten in den eher kleinen Geschäftsstellen – drängende sachliche Fragen und Mitgliederanliegen im Geschäftsführungsalltag im Vordergrund. Was bringt Sie dennoch dazu, dem Personalmanagement eine relativ große Bedeutung beizumessen?

SF: Für mich ist Personalmanagement auf keinen Fall Selbstzweck, darf nicht isoliert gesehen werden, sondern nur im Zusammenhang mit den Zielen und Strukturen des Verbandes insgesamt. So gesehen ist Personalentwicklung immer auch Organisationsentwicklung. Was heißt das konkret?

Wenn ich gute Ergebnisse in und für meinen Verband erreichen will, also sachlich erfolgreich dastehen möchte, brauche ich Menschen, die mit mir gemeinsame die Ziele umsetzen möchten, und dafür auch fachlich und persönlich gut geeignet sind. Gerade in den für Verbände typischen kleinen Geschäftsstellen muss ich notwendigerweise MitarbeiterInnen binden und halten, gleich auf welcher Ebene, weil Wissen und Strategien in Verbänden sehr stark personengebunden sind.

Personalmanagement und damit auch ein Mitarbeiterprofil Verbandsarbeit ist ein Instrument, das bei der Positionierung des Verbandes helfen kann, das den Verband in seinem Fachumfeld, aber auch in der allgemeinen Öffentlichkeit verknüpft, und das schlicht und einfach den Verbandsalltag und die Verbandsaktivitäten stärker strukturiert, systematisiert und damit alle Beteiligten, also Haupt- und Ehrenamt, entlastet und für ihre Aufgaben verstärkt motiviert.

„Ich kann nicht überblicken, was wir da beschließen.“ Überforderte MdBs zwischen Lobbyisten und Fraktionseliten?

Mittwoch, 6. Juli 2011

Unter der aktuellen Regierung habe der Lobbyismus einen neuen Höhepunkt erreicht, so SPD-MdB Marco Bülow. In verschiedenen Interviews kritisiert Bülow einen zunehmenden Einfluss von Lobbyisten, eine gewollte Überforderung der Abgeordneten sowie Absprachen und Vorgaben politischer Eliten.

Hier einige bemerkenswerte Aussagen Bülows aus Interviews des Vorwärts und der Ruhr-Nachrichten: