Das Blog zur Interessensbildung, Meinungsbildung Interessenvertretung von Verbänden

Archiv April, 2011

Der Lobbyist, das unbekannte Wesen

Dienstag, 26. April 2011

Es gehört mittlerweile zum Repertoire eines Parlamentariers, Vertreter der anderen politischen Farben mit wutschnaubender Gebärde und entrüsteter Gestik als „Lobbyisten“ zu beschimpfen, sobald diese mit ihren Meinungen in die Nähe von nicht gelittenen Konzern- oder Brancheninteressen geraten.

Damit erhoffen sich die Protagonisten auf durchsichtige Art Entrüstung und wütendes Schnauben beim Wahlvolk, denn der Lobbyist als solcher ist ja ein gemeiner Ehrabschneider und verruchter Bösewicht.

Dumm nur, dass 51 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland von der Berufsbezeichnung Lobbyist noch nichts gehört haben. Und nur jeder fünfte Deutsche gar kann sich vorstellen, welches Tätigkeits- und Aufgabenprofil sich hinter dem Lobbyist oder auch einem Public-Affairs-Manager verbergen.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Forsa-Umfrage im Auftrag der Deutschen Universität für Weiterbildung (die auf diesem Wege elegant auf ihre Studiengänge aufmerksam machen will).
Für die Umfrage hat Forsa im Feb­ru­ar und März des Jahres 1002 Erwerbstätige befragt.

 

re:campaign: Erfolgreiches Lobbying nach wie vor nur Offline

Sonntag, 17. April 2011

Die re:campaign ist eine (die Veranstalter würden sagen: die) Konferenz für Online-Kampagnen mit der Kernzielgruppe NGOs. Am 16. und 17. April 2011 referierten unter anderem Sprecher von Amnesty, Campact, Caritas, Greenpeace, WWF über Thesen, Trends und Tipps in der Berliner Kalkscheune.

In 15 Workshops wurde der Bogen geschlagen von Best Practise-Beispielen über Chancen und Grenzen des Online-Aktivismus, Partizipation und Mobilisierung via Netz und Mobile, der erfolgreichen Skalierbarkeit, Social Media Monitoring und Wirkungsmessung bis hin zur Rolle von Online-Aktivitäten für das Lobbying.

Zentrale und für viele eingefleischte Onliner erschütternde Erkenntnis: Web 2.0-Aktionen haben keine Relevanz für ein erfolgreiches Lobbying.

Das Mitarbeiterprofil in Verbänden

Dienstag, 12. April 2011

Auf dem Weg zur Durchführung eines Workshops über Mitarbeiterprofile und Personalmanagement in Verbänden möchte ich der Frage nachgehen, ob für die hauptamtliche Arbeit in (politisch arbeitenden) Verbänden ein eigenständiges, unterscheidbares Mitarbeiterprofil zu berücksichtigen ist. Ich denke, es gibt Hinweise, dass dies ist in der Tat so gesehen werden muss.

Schauen wir uns zunächst die drei übergeordneten Aufgabenfelder von Verbänden an:

  1. Serviceleistungen (Information, Beratung, Weiterbildung, Netzwerkfunktion, caritative Arbeit etc.),
  2. die interne Interessenkoordination und Meinungsbildung, sowie
  3. die externe Interessenvertretung und politische Repräsentanz.

Innerhalb dieser Aufgabenfelder hat es die Verbandsmitarbeiterschaft mit einer beachtlichen Anzahl sehr heterogener Zielgruppen zu tun. Von ehrenamtlichen Mitarbeitern, (Mitarbeitern von) Mitgliedern (unterschiedlicher Art: ordentliche, Ehren-, Förder- etc.), über Ansprechpartner in Politik, Verwaltung, Medien, bei Hilfebedürftigen, Spendern und Sponsoren, Geschäftspartnern bzw. Dienstleistern bis hin zur interessierten Öffentlichkeit (Soziale Medien!) existiert eine einzigartige Bandbreite.

Journalisten – von Kommunikationskanälen und Sprachcodes

Donnerstag, 7. April 2011

Im Februar habe ich auf eine Studie hingewiesen, die das Nutzerverhalten von Twitter durch Journalisten analysiert.

Mittlerweile wissen wir, dass die Hauptstadtkorrespondenten offensichtlich nicht Teil der Stichprobe gewesen sein können. Die Experten für Kommunikation entblößten sich in der Bundespressekonferenz (hier noch mal als Videobeweis) als auf traditionelle Kanäle fixierte Social-Media-Laienschaar, was zu verdient höhnischer Kommentierung durch die Internet-Gemeinde und auch von Kollegen geführt hat.

Diese ernüchternde Tatsache sollte nicht dahingehend ausgelegt werden, die bereits mehrfach ins Auge gefasste Formulierung einer Social-Media-Strategie ein weiteres Mal zu verschieben. Sie ist essentiell für die gezielte moderne Verbandskommunikation und damit für den Erfolg der Organisation. Und der Großteil der Journalisten hat aus unterschiedlichen Gründen eine Affinität zu den Social-Media-Kanälen.

Sprachcodes

Andere Gewohnheiten in der Kommunikation mit Journalisten behalten ihre Gültigkeit. Dazu gehören die Sprachcodes, die klären, wie Äußerungen von Politikern von Journalisten zitiert bzw. verwertet werden dürfen. Es werden traditionell drei Codes unterschieden:

  • „Unter eins“ legt fest, dass die kommunizierte Information unter Nennung des Urhebers wörtlich wiedergegeben werden kann. Also etwa „Bundesverkehrsminister Ramsauer hat im Bahnprojekt Stuttgart21…“. Politiker formulieren unter eins vorsichtiger als
  • „unter zwei“. Dieser Code meint, dass zwar die Information und auch das Umfeld wiedergegeben werden, aber nicht direkt zitiert werden dürfen: „Aus Kreisen der Fraktion war zu erfahren, dass das Bahnprojekt Stuttgart21 …“.
  • „Unter drei“ schließlich legt fest, dass Journalisten erhaltene Informationen für den eigenen Hintergrund nutzen können, nicht aber veröffentlichen dürfen.

Ein entsprechender Hinweis kann pauschal vor Gesprächsbeginn gegeben werden oder auch gesondert bei politisch heikleren Einzel-Informationen, wenn diese beispielsweise gezielt an die Öffentlichkeit transportiert werden soll.

Die Sprachregelung und ihre Beachtung sind existentiell für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Politik sowie Journalisten.