Das Blog zur Interessensbildung, Meinungsbildung Interessenvertretung von Verbänden

Archiv März, 2011

In eigener Sache: Lösungen für digitale Kommunikation und Informationsmanagement

Dienstag, 29. März 2011

Verbände sind Informationsbroker. Ihr Kapital ist Information, ihre Währung Kommunikation. Professionelle Kommunikation und Informationsmanagement sind daher zentrale Erfolgsfaktoren.

Nur Zielgruppen gerechte Informationen haben überhaupt die Chance, als nützlich und wichtig wahrgenommen zu werden. Für Verbände besteht dabei erstens die Herausforderungen, sehr heterogene Zielgruppen wie (Mitarbeiter der) Mitglieder, haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter, Politik, Verwaltung, Journalisten, und mit dem Web 2.0 auch noch ein Heer (potentieller) Meinungsmacher zu bedienen.

Zweitens erfolgt das Kommunikationsmanagement unter komplexen Rahmenbedingungen wie eines zunehmenden Wettbewerbs um Aufmerksamkeit, einer wachsenden Regulierungsbreite und -tiefe, sowie steigender Anforderungen an Transparenz und Dialogfähigkeit, wobei die zur Verfügung stehenden Ressourcen in aller Regel limitiert bleiben.

Brüderle, Schnappauf und das Moratorium – ein politisches Lehrstück in fünf Akten

Freitag, 25. März 2011

1. Akt (Männerlachen, Zigarettenqualm, entspannte Atmosphäre)

Am 14. März nahm Wirtschaftsminister Brüderle an einer Vorstands- und Präsidiumssitzung des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) teil, grundsätzlich ein Heimspiel für Brüderle.

Am gleichen Tag vermeldete Bundeskanzlerin Merkel das Atom-Moratorium. Die gute Stimmung konnte das beim BDI nicht wirklich trüben. Augenzwinkernd begründet der Wirtschaftsminister die vorübergehende Abschaltung älterer Atomkraftwerke mit dem Wahlkampf in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz.

2. Akt (Büro im BDI, ein Mitarbeiter tippt am PC)

Die Worte Brüderles von der Sitzung werden protokolliert. Man kann sich vorstellen, wie sich der Protokollant gewunden hat, um der Aussage eine einigermaßen diplomatische Fassade zu verleihen. Warum die Äußerung überhaupt Platz im Protokoll findet, ist völlig schleierhaft und zeugt mindestens von geringem politischen Gespür.

Das Protokoll wird vom Hauptgeschäftsführer des BDI (hoffentlich!) zwar nicht gelesen, aber genehmigt.

3. Akt (abgedunkelt, Personen huschen umher, telefonieren leise)

Prof. Papier sieht Gefahr für Parlamentarismus eher durch Abgeordnete als durch Lobbyisten

Montag, 21. März 2011

Lobbying schade dem Parlamentarismus, so liest man allenthalben. Die Verantwortung für einen geschwächten Parlamentarismus sieht der ehemalige Bundesverfassungsrichter Prof. Papier allerdings nicht bei den Lobbyisten, sondern allein bei den Parlamentariern selbst, die ihre verfassungsmäßigen Rechte einfordern und wahrnehmen müssten.

Das Netzwerk Berlin hatte Ende vergangener Woche Prof. Dr. Hans-Jürgen Papier eingeladen, zum Spannungsverhältnis von Lobbyismus und parlamentarischer Demokratie zu referieren.

Papier begann zunächst mit dem in dieser Klarheit kaum zu vernehmenden Statement, dass die Bündelung von Interessen und ihr Herantragen an die Abgeordneten selbstverständlicher Bestandteil der parlamentarischen Demokratie seien. Dies sei nicht nur völlig legitim und nützlich, sondern aufgrund des transportierten Sachverstandes mithin unverzichtbar.

Ungesund – Birgit Fischer wechselt zum VfA

Freitag, 18. März 2011

Die Gewerkschafterin und SPD-Politikerin Birgit Fischer wechselt zum Verband forschender Arzneimittelhersteller. Was zunächst wie ein Coup des Verbands wirken könnte, mit dem er sich offensichtlich ein neues Image verpassen möchte, hat einen fahlen und fatalen Beigeschmack.

Als Gesundheitsministerin in NRW und auch noch als Chefin der größten gesetzlichen Krankenkasse beklagte Fischer die Pharmaindustrie und ihr Preismonopol. Ab Juni wird sie alles daran setzen, dies zu bewahren. Als Barmer-Chefin verteufelte Fischer einen Lobbyismus von Pharmaherstellern und Apotheken, denen es in erster Linie um Profit und vielleicht dann um Patienten gehe. Jetzt wird sie selbst VfA Chef-Lobbyistin.

Lobbying lebt von Vertrauen und Glaubwürdigkeit. In der öffentlichen Meinung hat Lobbying darüber hinaus mit einen miserablen Ruf zu kämpfen. Der mit einem Gehaltssprung erleichterte Gesinnungswandel von Birgit Fischer wird diesen Ruf leicht bestätigen.

 

Medialer Zampano oder Branchenexperte? – Die Suche nach dem geeigneten Präsidenten

Dienstag, 8. März 2011

Ein Verband benötigt, na klar, eine/n Präsidentin/en. Und sofern die/der Stelleninhaber/in nicht weiter zur Verfügung steht, stellt sich die Frage der geeigneten Nachfolge. Was benötigt die Organisation in der aktuellen Situation: eine Gallionsfigur, einen Medienprofi oder eher einen Branchenexperten? Und soll die Idealbesetzung angestrebt werden oder begnügt man sich mit einer realistischen, der zweitbesten Lösung?

Vor diesen Fragen stand auch der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL), der erst im Dezember 2010 nach langer komplizierter Geburt das Licht der Welt erblickt hat. Nun ist die Entscheidung gefallen: Nach dem Gründungspräsidenten und Branchenintimus Dieter Kaden wird Klaus-Peter Siegloch am 1. Juni 2011 die Position eines hauptamtlichen Präsidenten des BDL bekleiden – nachdem im Mai sein Engagement beim ZDF aus Altersgründen enden wird.

Der BDL hat sich für einen Medienprofi entschieden. Insbesondere Branchenkenner zweifeln an dieser Wahl. Das Blog des Touristik- und Business-Travel-Magazins fvw bezeichnet es gar als „handfeste Überraschung“.

Welches Stellenprofil macht eine/n geeigneten Präsident/in aus?

Ach ja. Die Strategie.

Mittwoch, 2. März 2011

Jochen Mai hat in der Karrierebibel auf eine Studie von Booz & Company hingewiesen, nach der 43 Prozent der befragten Manager anzeigten, dass ihr Unternehmen über keine klare Strategie verfügt.

50 Prozent der Manager gaben darüber hinaus an, dass etwaig vorhandene Strategien in der Organisation nicht überzeugend kommuniziert sind.

Was ist daher zu tun, fragte Booz & Company die Führungskräfte. Ihre Antworten:

  • Tagesentscheidungen sind besser auf die Gesamtstrategie abzustimmen (56 Prozent)
  • Strategische Entscheidungen sind zügiger umzusetzen (54 Prozent)
  • Es ist zunächst einmal überhaupt eine Strategie zu entwickeln (50 Prozent).

Nach meiner Erfahrung haben Führungskräfte in Verbänden grundsätzlich Anlass darüber nachzudenken, ob sich die Situation in ihrer Organisation vergleichbar darstellt. Ein Verweis auf den in Paragraph 2 der Satzung genannten Zweck des Verbandes ist selten ausreichend. Die Gleichung ist ganz einfach: Ohne Ziele und Strategien kein zielgerichtetes Handeln. Treten Sie Ihren Urlaub ohne klares Ziel an?

Der Selbsterfahrungstest ist mit der Beantwortung von drei Fragen schnell durchgeführt: Was wollen wir erreichen? Wie wollen wir es erreichen? Würden die Mitarbeiter auch so antworten?